Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Ruhestand – Deal or no Deal?

Landtagsfraktion der Freien Liste | 24. Februar 2018

Pensionsalter 75? Mit diesem Vorschlag überraschte kürzlich Fürst Hans-Adam in einem Interview zu seinem Geburtstag. Überlegenswert oder Provokation!? Die Richtung ist eindeutig: Es geht darum, die AHV zu entlasten. Was liegt da näher, als an der Schraube der Ausgaben zu drehen? Wir finden, nach einem Blick auf die Fakten steckt hinter diesem Vorschlag mehr die Absicht, einmal «auf den Busch zu klopfen und zu sehen, was dabei herauskommt».
Wer erst mit 75 Jahren in Pension geht, braucht bis dahin einen Arbeitsplatz. Fragen wir doch die Liechtensteiner Unternehmen, was sie davon halten. Wie sieht deren künftige Mitarbeiterstruktur dann aus? Wie viele seniorengerechte vollwertige Arbeitsplätze gibt es und wie viele brauchen wir zukünftig bei diesem Konzept? Wie hoch werden die Ausgaben – wohlgemerkt auf Seite der Unternehmen – für Weiterbildung und Krankheitskosten? Es ist ein offenes Geheimnis, dass ältere Menschen häufiger krank werden – selbst wenn es oft heisst: «70 ist das neue 50». Ganz zu schweigen von den Arbeitskräften, die nach Jahrzehnten harter körperlicher Arbeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stossen, allen voran die Bauarbeiter.
Dass die Erfahrung der älteren Menschen wertvoll ist, spürt jeder, dessen Arbeitskollege oder -kollegin nach vielen Jahren in Ruhestand geht. Aber auch jüngere Menschen möchten Erfahrungen sammeln und Karriere machen. Schliesslich bliebe die ältere Generation in jener Verantwortung, auf welche die nachrückende Generation legitimerweise «scharf» ist. Wollen wir diesen Konflikt zwischen den Generationen? Es wäre dann umso wahrscheinlicher, dass sich diese jüngeren Berufsleute im angrenzenden Ausland nach Alternativen umsehen. Und in Liechtenstein würde sich dadurch ein Abwandern der Talente abzeichnen.
Sollten die Unternehmen keine Arbeitsplätze für über 65-Jährige bereitstellen können oder bereitstellen wollen, bliebe für die Betroffenen nur der Gang zum Arbeitsmarktservice oder zum Amt für Soziale Dienste, gegebenenfalls würde in manchen Fällen die Invalidenversicherung einspringen. Folglich wären IV, Arbeitslosenkasse und Sozialamt neu zuständig für die ältere Generation. Ist das letztlich günstiger oder nur eine Kostenverschiebung?
Die Freie Liste denkt, dass Seniorinnen und Senioren ihren Ruhestand nach ihren eigenen Vorstellungen und möglichst frei von finanziellen Sorgen und Nöten verbringen sollen – zum Beispiel die Zeit für Enkel, für Reisen, Hobbys oder ehrenamtliches Engagement nutzen sollten. Sie haben über Jahrzehnte ein System finanziert, das sich mit solchen Ideen nun ziemlich unelegant seiner Verpflichtungen entledigen möchte – nach dem Grundsatz: «Die Lebenserwartung ist gestiegen, lasst die Bürgerinnen und Bürger einfach zehn Jahre länger arbeiten.»
Die Freie Liste setzt sich für sozialverträgliche Lösungen ein. Länder wie Schweden praktizieren beispielsweise eine Lebensarbeitszeit mit flexiblem Pensionsalter. Einen einfachen Ausweg aus dem staatlichen Finanzierungsengpass böten auch die Steuerpostulate der Freien Liste. Hier geht es im Wesentlichen darum, die mit der Steuergesetzes-Revision 2010 verteilten Steuergeschenke an Vermögende und Unternehmen zurückzunehmen. Damit hätte der Staat ausreichend Mittel in der Hand, seine Pensionsversprechen gegenüber den Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen. Ideen wie «Pensionsalter 75» würden sich dann rasch verflüchtigen.
Was möchten Sie machen, wenn Sie 65 Jahre und älter sein werden? Ihre Meinung gern auf info@freieliste.li.

Landtagsfraktion der Freien Liste

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung