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Leserbrief

Unsinn der doppelten Staatsbürgerschaft

Andre Bloch,Bildgass 38, Schaan | 21. Februar 2018

Zum Forumsbeitrag der Freien Liste vom 17. Februar 2018 und der darin erwähnten Motion zur doppelten Staatsbürgerschaft.
Während manche Leute echte Probleme haben, ist jetzt erneut eine Gruppe von Personen aufgetaucht, die angeblich Hilfe von der Freien Liste brauchen: Einbürgerungsberechtigte Landesbewohner ohne Liechtensteiner Pass, die hier die vielfältigen Vorteile materieller Art in wunderbarer Umgebung genies­sen. Diesen darf man bei ihrem Einbürgerungsbegehren angeblich nicht zumuten, im Tausch gegen eine der attraktivsten Staatsbürgerschaften der Welt mit ihrer bisherigen Staatsbürgerschaft «ein grosses Stück ihrer persönlichen Geschichte und Identität aufzugeben». (Nach überwiegend mehr als 30 Jahren im FL!). Dieser «emotionale und oft auch politische Verlust» sei «verständlicherweise» nicht zumutbar.
Mit Verlaub: Was für ein Unsinn. Wieso soll man den Fünfer und das «Weggli» bekommen? (Falls die andere Staatsangehörigkeit überhaupt ein «Weggli» ist ...) Wem die Liechtensteiner Staatsbürgerschaft weniger wert ist als seine bisherige, der soll alles einfach so lassen, wie es ist. Man kann auf seine politische Teilhabe hier sicher gut verzichten.
Es wird gesagt, 25 Prozent «einer privilegierten Liechtensteiner Schicht» hätten einen zweiten Pass. Was ist denn mit den 75 Prozent offenbar unterprivilegierten Liechtensteinern, die nur einen Pass haben? Wie kommen die denn zu einem zweiten?
Ich lebe als Deutscher seit neun Jahren in Liechtenstein. Meinen deutschen Pass werde ich selbstverständlich und völlig emotionslos den Flammen eines zünftigen Funken in meiner Wohnsitzgemeinde übergeben, wenn ich dereinst die liechtensteinische Staatsbürgerschaft bekomme.
Statt das Scheinproblem einer doppelten Staatsangehörigkeit zu adressieren, könnte vielleicht darüber nachgedacht werden, die Frist für die erleichterte Einbürgerung von 30 Jahren zu verkürzen. Dies wurde bereits von intelligenter Seite in die Diskussion eingebracht. Gerade jüngeren Ausländern könnte man damit helfen, die bereit sind, die angeblichen emotionalen Schmerzen einer staatsbürgerlichen Loslösung vom dem Land, in dem ihre Vorfahren oder sie in grauer Vorzeit gelebt haben, zu ertragen.
Wenn ein Kind mit seinen Eltern zum Beispiel im Alter von 10 Jahren ins Land kommt, wird es später im erleichterten Verfahren frühestens mit 30 Jahren Liechtensteiner (da im Beispielfall die ersten 10 Jahre im Land vor Alter 20 doppelt zählen). Dies kann unter anderem für die Wahl einiger Berufe im Land ein Problem sein. Es mag sich aus Schüchternheit auch nicht jeder wirklich Integrationswillige nach 10 Jahren einer Gemeindebürgerabstimmung stellen, was man vielleicht eher nachvollziehen kann als den undankbaren Gefühlsdusel von solchen Einbürgerungsaspiranten, für die Freie Liste in die Schlacht zieht.
Auch dies spricht möglicherweise für eine Verkürzung der 30-Jahresfrist anstelle der überflüssigen doppelten Staatsbürgerschaft.

Andre Bloch,
Bildgass 38, Schaan

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