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Leserbrief

Mut? Los!

Amon Marxer,Eschen | 19. Februar 2018

Da wir für solche Dinge eine lange Vorlaufzeit benötigen, präsentiere ich schon mal eine Idee für die 350-Jahr-Feier: Erweiterung des Platzes beim Landtagsgebäude zu einem «GeDENKplatz», an welchem Werke, die politisches und/oder gesellschaftliches Versagen symbolisieren, gesammelt werden, z.B. folgendermassen: Bei Auftreten eines Skandals ausreichender Grösse (z.B. Pensionskasse) wird unter Einbezug des Volkes ein Kunstwerk ausgewählt und dem Platz mit einer den Skandal beschreibenden Legende hinzugefügt. Nach und nach entsteht so ein Lehrstück und eine Touristenattraktion. Viele Staaten verewigen ihre Siege und sonstige Errungenschaften in Stein. Auch das gelegentliche Völkermord-Mahnmal findet sich. Aber ein Volksgedächtnis direkt am politischen Entscheidungszentrum, in dem das Versagen der Vergangenheit in Form von Kunstwerken festgehalten ist? So etwas ist eher ungewöhnlich und könnte deshalb die touristische Attraktivität unseres Landes steigern – ausser dem Schloss haben wir ja keine Sehenswürdigkeiten. Wir könnten uns so auch als ein Volk präsentieren, das aus seinen Fehlern lernen will und vielleicht auch ein wenig als Menschen, die über sich selber lachen können. Das wirkt sympathisch. Soweit es das Gedächtnis unserer Entscheidungsträger/-innen unterstützt, weil sie z. B. vor dem Einzug in den Landtag an den Kunstwerken vorbei über den Platz geführt werden, kann das Projekt langfristig vielleicht sogar Geld sparen, weil es die Wiederholung von Fehlern aus der Vergangenheit zu vermeiden hilft. Liechtensteinische Künstler/ -innen könnten also anlässlich eines Skandals Vorschläge erarbeiten, die dann in/vor unseren Museen und/oder online präsentiert werden. Die Kosten für die Präsentation und das Aufstellen einer Skulptur dürften sich in Grenzen halten und könnten durch die Erträge eines dafür eingereichteten Fonds finanziert werden.
Später findet eine Abstimmung darüber statt, welches Kunstwerk als Symbol für ein aktuelles Versagen dienen soll, wobei die Abstimmung während einer Versammlung auf dem Platz durchgeführt werden könnte. Dies vermiede nicht nur die Kosten einer Briefwahl, sondern böte auch die Gelegenheit für ein Zusammenkommen und einen Gedankenaustausch zwischen den Bürger/-innen. Das Interesse an der Politik sowie das Gefühl mit einbezogen zu werden und mitgestalten zu können, würden gefördert, und vielleicht entwickelt sich daraus sogar eine ungewöhnliche Volkstradition, von der Leute berichten, wenn sie über Liechtenstein sprechen. Das Projekt erinnert also an die Vergangenheit, belehrt die Gegenwart und bleibt lebendig, weil es sich auch in der Zukunft noch verändert.

Amon Marxer,
Eschen

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