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Leserbrief

Wo bleibt der Aufstand der Journalisten?

Reinhard WalserBartlegrosch 38, Vaduz | 16. Februar 2018

Fortsetzung von gestern.
In jedem anderen demokratischen Land in Europa hätte das Verhalten des Vaduzer Medienhauses einen Tsunami der Journalisten hervorgerufen. Man kündigte Michael Winkler und mahnte Patrik Schädler ab, weil beide angeblich einigen auf den Schlips getreten sind oder deren Empfindlichkeiten angekratzt haben.
In Deutschland, als Beispiel, hätte man diese Obrigkeiten an den Pranger gestellt. Das Thema wäre in Talkshows behandelt worden. Die Verantwortlichen hätten eine mediale Klatsche bekommen und wären zum Rücktritt gedrängt worden. Nicht so in Liechtenstein. Für mich ein deprimierendes Zeichen. Wo bleibt der Aufstand der Journalisten? Ist Meinungsfreiheit bei uns kein Thema?
Sind sich die Journalisten in diesem Land bewusst, dass sie nicht schreiben dürfen, was sie wollen? Akzeptieren Sie die Guillotine von oben? Haben Sie Angst, etwas falsch zu machen und getrauen sich nicht, das zu schreiben, was sie eigentlich schreiben möchten?
Das Vaduzer Medienhaus hat es versäumt, dieser medialen Lethargie und dem Angstfieber eine auffrischende Demokratie-Spritze zu verpassen. Man hätte sich vor die Journalisten stellen können, nein müssen, und den Leserinnen und Lesern klarmachen, dass freie Presse- und Meinungsäusserung in einer Demokratie ein wichtiges Gut sind. Ein Gut, das man mit Standhaftigkeit und Rückgrat schützen sollte, nein schützen muss. Diese Chance wurde leider vertan.
Für mich höchste Zeit, dass die Medien in Liechtenstein eine neue Ausrichtung brauchen. Leider erfüllt kein Medium umfassend die von der Demokratie geforderten Kriterien. Diese heissen: Information über alles Wichtige, Erarbeiten und Verbreiten von objektiven, faktengerechten Informationen, damit Bürgerinnen und Bürger in der Lage sind, sachgerechte und enkeltaugliche Entscheide zu fällen. Und: Medien sollten die politische Arbeit kritisch hinterfragen.
Medien sollten in einem demokratischen Land die vierte Gewalt im Staate sein. Entsprechend müsste die Förderung der Medien ausgerichtet werden und nicht nach Anzahl Mitarbeiter und Höhe der Vertriebskosten. Guter Inhalt sollte gefördert werden und nicht betriebswirtschaftliches Geplänkel. Nur Wunschdenken? Vielleicht. Glücklich (oder naiv?) ist, wer ans Gute im Menschen glaubt.
Morgen folgen noch ein paar Gedanken zum Nachdenken.

Reinhard Walser
Bartlegrosch 38, Vaduz

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