Leserbrief

Die dressierte Kuh im austeritäten Staat

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 16. Februar 2018

«Die Regierung plädiert für eine intensive Landwirtschaft mit möglichst wenigen Betrieben», war neulich aus der Zeitung zu erfahren. Oder: «Die Not des Bauern ist die Freude des Beamten»; chinesisches Sprichwort. Das wird bei Milch oder Fleischbetrieben bedeuten, dass Huhn und Kuh und Sau nie mehr auf die Wiese dürfen, in Lauf- und Mastställen dahinvegetieren, die Felder zu deren Futterbeschaffung mit Kalisalzen, Nitratstickstoff, Ammoniumstickstoff, Phosphat, Schwefelsäure, Phosphorsäure, Calciumdighidrigenphosphat, Glyphosat und obendrein mit einer kräftigen Jauchesuppe und einer gehörigen Portion Mist eingepinselt werden. Diese wunderbare Suppe fliesst dann über die durch die schweren Riesentraktoren zusammengepressten Böden und die darunter zerborstenen Drainageröhrchen direkt in die Gräben Richtung Rhein und Bodensee, wo sie dann dem letzten Fisch die Augen verdreht. Was es nicht bis ins schwäbische Meer schafft, sickert zusammen mit dem schmackhaften Friedhofwasser zum Grundwasser und sprudelt schon bald als laut Wasserversorgung «kostbare Ressource für unsere Gesundheit» aus unseren Hähnen. Das trinken wir, putzen damit die Zähne, hocken nackt ins Badewasser, die Quotenfrauen spülen damit die Antibabypille hinunter, der Mann das Aspirin nach dem Vollrausch, der Junkie brunzt seinen Koksüberschuss in den Firker und die Mikroreste davon schicken wir mit dem Klosettspülknopf ebenfalls wieder in diesen gesunden Kreislauf. Bei der Gemüsehaltung passiert genau das Gleiche, nur ohne Kuh und ohne Schwein.
Nun aber sollen Grundwasser und Rhein, die das alles fressen dürfen, Hilfe erfahren. Auf ein paar Hundert Meter müsse jener Luft und die Grundwasserbrühe eine Rückschlagklappe bekommen. Die letzten malträtierten Fische mit ihren verstümmelten Geschlechtsorganen können sich dann wieder ausbreiten und unsere Kanäle und Gräben wieder besiedeln, um möglichst nah am Jauchefass zu laben und an den Glyphosatkuchen, ihren Mutationszweiteltern, knabbern.
Eine Umfrage hätte gezeigt, dass der Liechtensteiner der Rheinaufweitung positiv gegenüberstehen würde, könne er sich damit doch auch ein wenig Ablass erhoffen. Allerdings: Bezahlt wurde diese Umfrage von privaten Naturschutzoli-garchen. Daraus ergibt sich also die Frage, ob diese Honoren diese Umfrage auch bezahlt hätten, wenn sie negativ ausgefallen wäre? Und fast noch interessanter: Warum hat man diese Umfrage nicht beim wichtigsten Mitspieler, den Bodenbesitzern, gemacht?


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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