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Leserbrief

Wo bleibt der Aufstand der Journalisten?

Reinhard WalserBartlegrosch 38, Vaduz | 15. Februar 2018

Das Vaduzer Medienhaus hat den «Liewo»-Chefredaktor Michael Winkler abserviert, weil er ein Editorial geschrieben hat, das offenbar einigen Leuten nicht gepasst hat. Ich habe diesen Text mehrmals gelesen und habe bei aller kritischen Haltung keine Bösartigkeiten, Verleumdungen, oder Beleidigungen gefunden. Zugegeben, das eine oder andere hätte man klarer formulieren oder überzeugender strukturieren können. Aber das war es dann schon.
Es wäre das Normalste auf der Welt gewesen, dass Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sich hinter den Journalisten gestellt hätten und die freie Meinungsäusserung über persönliche Empfindlichkeiten und Eitelkeiten gesetzt hätten. Dem war leider nicht so. Man rasierte einen jungen Mitarbeiter und massregelte ihn auf eine Art und Weise, die für mich unerträglich ist.
Richtig, Winkler muss noch wachsen und Erfahrungen sammeln. Aber er braucht – wie jeder Journalist – die Förderung und Rückendeckung seiner Vorgesetzten. Die hat man ihm verwehrt.
Dieselben Obrigkeiten haben bereits nach den Landtagswahlen, dem Chefredaktor des «Vaterlands» die Rute ins Fenster gestellt, mit der Drohung: «Noch ein Fehlverhalten und Du bist weg.» Was hat Patrik Schädler falsch gemacht? Er wählte am Tag nach den Wahlen eine kreative, für manche zu freche Front-Gestaltung mit grosser schwarzer Fläche und deckte die Niederlage der VU schonungslos auf. Objektiv und sachlich. Ich habe seinen Auftritt ehrlich und journalistisch einwandfrei empfunden, weder beleidigend noch parteiisch. Einigen enttäuschten Roten ging dies nicht den Hals runter, sie schlugen im ganzen Land Lärm und «terrorisierten» heutige und ehemalige Parteifunktionäre und verlangten die Kündigung des Chefredaktors. Das war dem Präsidenten des Verwaltungsrats zu viel Ärger. Auch damals: kein Schutz des Journalisten. Kein Dahinterstehen. Kein Rückgrat.
Die Presse- und Meinungsfreiheit wurde in beiden Fällen mit Füssen getreten.
Wo bleibt der Aufstand der Journalisten? Wo bleibt der Kampf für eine unantastbare Meinungsfreiheit? Wer ist noch bereit, sich für dieses hohe Gut in einer demokratischen Gesellschaft öffentlich einzusetzen? Die Reaktionen auf Winklers Absetzung waren spärlich bis null.
Wollen wir Liechtensteiner und Liechtensteinerinnen ein Land sein, in dem der Einzelne nicht mehr sagen darf, was er sagen möchte? Möchten wir ein Land der Duckmäuser und Hosenscheisser sein? Hoffentlich nicht.
Mehr erfahren Sie morgen.


Reinhard Walser
Bartlegrosch 38, Vaduz

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