Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Was hält das Erzbistum von der Einheitsübersetzung?

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 10. Februar 2018

Kürzlich setzte das «Volksblatt» den «Schwerpunkt» auf ein Gespräch mit einem Moraltheologen (Ausgabe vom Donnerstag, Seite 11). Eberhard Schockenhoff wurde interviewt. Einen bunter Fragenkatalog hatte das «Volksblatt vorgelegt». Man hat offensichtlich Mühe mit dem Triesner Kaplan, der sich gemäss einleitendem Text auf den Katechismus der katholischen Kirche beruft und danach handelt.
Im Schwerpunkt geht es auch darum, ob Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen oder nicht. Die Homosexualität wurde angesprochen und Schockenhoff gefragt, warum man heutzutage am Sonntag eher lieber auf die Skipiste geht, anstelle wie früher in die Kirche. Die zweitletzte Frage aus dem Text der drittletzten Frage herausformuliert: «Vielleicht, weil man sich in der Kirche schlicht nicht wohl- oder verstanden fühlt?», umschifft Schockenhoff mit der Bemerkung: «Wenn es einem wichtig wäre (der Gottesdienstbesuch), würde man sicher irgendwo einen ansprechenden Gottesdienst finden.»
Nun, da liegt die Krux. Wohin sollen Triesner denn hingehen, wenn sich die Geistlichen nach einem Katechismus veralteter Bibelübersetzung berufen fühlen?
Seit einem Jahr gibt es eine deutschsprachige Neuinterpretation der Bibel, die sogenannte Einheitsübersetzung. Viele Begriffe wurden dem heutigen Sprachgebrauch mehr oder weniger angepasst. Judas hat Jesus nicht «verraten», sondern «ausgeliefert». Die Thematik hat der Triesner Schauspieler Oskar Werner in seinem Film «Judas» bereits vor rund 40 Jahren angesprochen, nebenbei erwähnt.
Maria hat Jesus nicht mehr (unbefleckt) empfangen, sondern ist schlicht und einfach nur schwanger geworden. Gott hat teilweise einen anderen Namen bekommen. Man nähert sich den Juden und entfernt sich gleichzeitig wieder. Solches könnte durchaus in einen neuen Glaubenskrieg ausarten. Den Frauen versuchte man entgegenzukommen, indem man von «Menschen und Frauen» schreibt. Mit den Wortänderungen hat man auch die Gender nicht vergessen und gibt sich über den neu gesetzten Begriff: «Mensch» geschlechtsneutral. Und so weiter ...
Nun muss ja auch der Katechismus der neuen Einheitsübersetzung angepasst werden.
Da kann man jetzt gespannt sein über das weitere Vorgehen in Triesen. Die Bischofskonferenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz halten sich an die neue Einheitsübersetzung. Unser Erzbistum Vaduz war dabei, als man den Auftrag für eine Neufassung der Bibel in Auftrag gegeben hatte. Gemäss dem «Volksblatt»-Schwerpunkt will man sich aber anscheinend nicht an der neuen Einheitsübersetzung orientieren. Da wäre diesbezüglich schon eine Stellungnahme vom Erzbistum Vaduz und dem Triesner Kaplan angebracht.

Hans Frommelt, Gapont, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung