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Leserbrief

Mise en Bouteille au Chateau

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 9. Februar 2018

Da bekam ich einst eine Flasche Pomerol Château Pétrus geschenkt, mit dem Vermerk, ich dürfe den aber nur zu einem grossen Ereignis trinken, da es ja auch ein grosser Wein wäre. Tatsächlich war nun ein Tag, an dem sich gleich zwei solche Ereignisse einstellten. Das erste war, dass Nachbars Hund meine Katze gefressen hat. Und zwar mit Haut und Haaren einfach verschlungen. Und ich wollte das treue Tier doch ausstopfen lassen. Aus dem wurde nun nichts. Um meinen Kummer wenigstens etwas zu erleichtern, machte ich den Petrus auf. Ein köstlicher Tropfen.
Saublöderweise zappte ich dabei durch den Fernseher und bleibe beim «Kölbele TV» hängen, in dem sich gerade Pepo Frick ein Stelldichein auf dem schmalen Sessel gab. Die letzten Minuten habe ich gerade noch mitbekommen und die hatten es in sich. Pepo mahnte in seinem Resümee den Staat dringend, er dürfe sich nicht mehr länger zurückziehen und müsse jetzt endlich für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen und den einen das Geld aus den Taschen stehlen, um den anderen kräftig hineinzustopfen. Und seine Schlussermahnung war, dass es nicht mehr lange dauern würde und das Volk würde sich erheben, um gegen die soziale Ungerechtigkeit im Lande den Sturm auf die Bastille antreten. Diese Worte sprach er mit solcher Ergriffenheit, sodass ich bei ihm eine innere Träne fliessen sah, die mich so fest berührte, dass ich die meine auch nicht mehr halten konnte. Diese kullerte über meine Wangen und: Scheisse, genau in den Chateau Petrus hinein. Ein tragischer Moment, in dem ich mir wünschte, ich wäre Roger Federer. Weil dann hätte ich all meine Tränen in den 20. Grand-Slam-Riesenpokal hineintropfen lassen können und die Worte von dem Frick hätten seine Füllung garantiert.
Auch ist wahrscheinlich garantiert, dass Herr Kölbel den guten Mann nicht danach gefragt hat, warum er nicht von all den gescheiterten Versuchen vieler Staaten im Sozialismus Glück für seine Bürger zu finden erzählt hat. Oder ob er auch davon weiss, dass man den Menschen nicht mit Heilsversprechen, die der Staat sowieso niemals erfüllen kann, irreführen, sondern sie zu Eigenverantwortung und einem Streben nach eigener Freiheit ermuntern, gar ermahnen sollte?
Und zum grossen Ereignis; aber eher für die Katze denn den Hund, das mir einen verweinten Wein bescherte; man mag als Weinliebhaber gar nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn auf dem Bordeaux einst stehen würde: «Mise en Bouteille a la Propriété Sozialiste».

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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