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Leserbrief

Oben husch unten Pfusch

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 3. Februar 2018

Es ist schon sehr bemerkenswert, was in unserem, übrigens vom Ausländer wie vom Inländer mehr geliebtem Land, falls man diesen Zustand noch so nennen kann, alles abläuft. Da muss nun mit aller Gewalt hoch oben am Berg ein Tunnelröhrchen, welches eigentlich seinen Dienst problemlos erfüllt, mit viel Geld saniert werden, währenddessen unten im Tal das Haus des Volkes zusammenkracht. Laut den Verantwortlichen wird dort oben am Tunnel aber lediglich ein bisschen an der Fahrbahn herumgedoktert und dann, wenn alles gut läuft, würden auch noch ein paar Lämpchen eingebaut. Zur Sicherheit, wie es hiess. Und weiter hiess es; und das ist der oberste aller Oberhämmer, sozusagen der interstellare Oberdampfhammer: «Noch mehr Sicherheit wäre zu teuer!»
Mareiamaränte de au! Das heisst dann in der Praxis, dass wenn in dem Loch ein Unfall passiert und einer ist nur halbtot, das nur halb so günstig ist wie ganz tot. Demnach könnten wir uns unversehrte Tunnelbenutzer ja gar nicht leisten?
Zehn Jahre ergötzt das bereits halbtote Kunstwerk Landtagsziegelzipfelmütze nun schon die Seelen und Gemüter. Zerbröselung auf breiter Flur und inzwischen Schmalztopf für Problemlöser zwischen Spass bis ernstem Humor. Von den ausgedachten Ideen zur Rettung mit einem Solarpanelüberzug bis zu einer Zeltüberdachung wie beim Olympiastation München erscheint diese, mit der Abrissforderung die verlockendste zu sein.
Weiss man bei unserem einzigen Bergloch auf den Rappen genau, was zu tun ist und wie viel Tod man den Opfern zubilligt, herrscht beim Gesamtkunstwerk Landtagsbau gähnende Unwissenheit, gepaart mit einer wahrscheinlich vom Teufel inszenierten Unweitsicht höchster Vollkommenheit. Man wisse noch lange nicht, wie das Dach zu sanieren wäre und hätte noch keine Ahnung, weder von Materialien noch von den Kosten noch von Dings und Bums. Man müsse abwarten, wie sich alles verhält.
Anders drinnen in dem Ziegelgehäuf. Da weiss vor allem einer sehr genau, was zu tun ist, wenn sein Dach anfängt zu bröckeln. Er fuchtelt sofort mit der Verfassungslehre herum und meint damit neugierige Volksvertreter abmurksen zu können. Aber damit kann er sie nicht totschlagen; auch nicht einmal halbtot. Denn diese wissen auch, dass sie deren Artikel 80 benutzen könnten, der gesamten Regierung den Ausgang zu weisen. Zum Glück haben wir dort aber weitsichtige Leute, die wissen, dass man nicht einfach mit der Verfassung droht, einen halbtot zu machen. Und schon gar nicht ganz tot, auch wenn das billiger wäre.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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