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Leserbrief

Nur Mut: Raus aus der Schmollecke!

Dr. med. Johannes Weber, Leitender Arzt für diagnostische und interventionelle... | 31. Januar 2018

Der Strukturwandel in der medizinischen Landschaft ist dramatisch und unaufhaltsam. Unverständlich ist vor allem die Stase bezüglich Neuausrichtung des in Agonie liegenden Landesspitals, wo bislang nur wenig hilfreiche Notlösungen immer grössere Löcher in den Haushalt gerissen und die medizinische Versorgung gegen die Wand gefahren haben. Hier muss sich der unglücklich agierende und ideenlose Stiftungsrat fragen lassen, wo die zukunftstragenden Visionen, die seit Jahren auf sich warten lassen, bleiben? Unweigerlich wird das Gros der stationären Behandlungen im Kanton St. Gallen durchgeführt werden müssen, da nur dort die nötige Infrastruktur und medizinische Kompetenz vorhanden ist. Die Kooperation mit dem KS Chur wird an dieser Stelle gerne vorgeschoben, jedoch wird dort auch nur ein Teil dieser medizinischen Leistungen angeboten. Kleines Beispiel aus meinem beruflichen Alltag: Mein Team und ich behandeln seit Jahren mit den modernsten mikroinvasiven Mitteln akute Schlaganfälle am Kantonsspital St. Gallen. Mittlerweile ist wissenschaftlich signifikant belegt, dass bis zu 60 Prozent der von uns behandelten Patienten danach wieder ein Leben ohne Fremdhilfe führen können. Als eines von nur neun Zentren in der Schweiz, die diese Therapie überhaupt durchführen dürfen, war St. Gallen sogar das erste zertifizierte Schlaganfallzentrum mit einem Einzugsgebiet in der gesamten Ostschweiz (inklusive Chur). Erleidet man nun in Liechtenstein einen Schlaganfall, wird man regelhaft ans Landesspital transportiert. Dort wird eine nicht mehr zeitgemässe und nicht-fachärztliche Abklärung durchgeführt und der Patient sodann nach Chur gebracht, um am Ende in St. Gallen zu landen. Das ist umso grotesker, als am Spital Grabs eine ebenfalls zertifizierte Schlaganfalleinheit bereitstünde, die im Rahmen unseres Schlaganfallnetzwerkes 24 Stunden, 7 Tage die Woche und das ganze Jahr über höchst kompetent zur Verfügung und mit den entsprechenden Fachbereichen am Kantonsspital St. Gallen permanent telemedizinisch in Verbindung steht. Die Konsequenz ist, dass man den betroffenen Patienten eine wirksame und weltweit anerkannte Therapie verweigert oder diese im besten Falle so verzögert, dass ein viel schlechteres klinisches Ergebnis zustande kommt als möglich wäre («Time is Brain»). Nicht nur ist das unethisch; es entsteht durch die dann unnötigerweise pflegebedürftigen Patienten auch ein grosser volkswirtschaftlicher Schaden, für den öffentliche Gelder aufgebracht werden müssen. Deshalb mein Appell an alle Verantwortlichen: Kommt raus aus eurer Schmollecke, erarbeitet miteinander konstruktive, zukunftsgewandte Lösungen in einer sich eklatant wandelnden medizinischen Welt, die eine Kooperation gemäss der Verständigungsvereinbarung zum DBA als absolutes Minimum unerlässlich macht. So können Sie sowohl potenziellen Patienten als auch den falschem Stolz geopferten und Quellensteuer-geschundenen Arbeitnehmern einen grossen Dienst erweisen.

Dr. med. Johannes Weber, Leitender Arzt für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Kantonsspital St. Gallen, Deutscher Staatsbürger, wohnhaft in Liechtenstein, Ehemann einer Liechtensteinerin und Vater von zwei Liechtensteiner Kindern.

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