Leserbrief

Ein anderer Weckruf

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 30. Januar 2018

Letzte Woche bezichtigten Umweltkreise die Liechtensteinische Regierung pauschal der Lethargie betreffend Gewässerschutz. Konkreter Inhalt waren die von ihnen seit Längerem propagierten grossflächigen Rheinaufweitungen, die der «Renaturierung» des von ihnen als «leblos» bezeichneten Rheins dienen sollen.
Solche Forderungen nach Flussaufweitungen in Liechtenstein kamen vor Jahren im Zuge des Projekts «Rhesi» auf, bei dem es um notwendige Verbesserungen des Hochwasserschutzes im unteren Rheintal ab der Ill-Mündung in Feldkirch bis zum Bodensee geht. Bei diesem Projekt soll mittels ausgeweitetem Vorland dem Rhein im Falle von Extremhochwasser mehr Raum gelassen werden, um eine Überflutung von Kulturland und Siedlungen sicher zu verhindern.
Umweltverbände bestanden und bestehen aber auf gross angelegten Flussaufweitungen, mit denen der Flusslauf «renaturiert» werden müsse. Diesen Forderungen stehen gros­se Kulturlandverluste und Stilllegung von besten, über Generationen bewährten Trinkwasserfassungen in Rheinnähe der Gemeinden gegenüber. Kompromissloses Beharren auf Forderungen dieser Verbände mit Androhung von Klagen bis vor höchste Staatsgerichte haben bisher das bauliche Angehen der Sanierung des Hochwasserschutzes weitgehend verhindert. Oberhalb der Ill-Mündung, das heisst auf Liechtensteiner Seite und bis Bad-Ragaz auf Schweizer Seite, besteht nicht dieselbe Notwendigkeit der Verbesserung der Hochwassersicherheit. Nur auf Liechtensteiner Seite wurden vor Jahren potenzielle Schwächen in Abschnitten des Rheindamms im Falle eines höchsten Extremhochwassers erkannt. Diese könnten mit einer Verdichtung der Dämme mit überschaubarem Aufwand beseitigt werden. Die Umweltorganisationen wollen aber diese Sanierungen mit abschnittsweisen, grossflächigen Flussaufweitungen zur «Renaturierung» des Rheins verbinden, obwohl diese die Hochwassersicherheit an den kritischen Stellen gar nicht verbessern würden.
Mit ihrem aktuellen Vorstoss scheinen sie nun offenbar Druck auf die Regierung aufbauen zu wollen, kostspielige Planungen und gar Realisierung solcher Flussaufweitungen weiter voranzutreiben. Sie ziehen sogar EWR Richtlinien aus EU-Brüssel heran, nach denen ihrer Ansicht nach Liechtenstein verpflichtet sei, solche Flussaufweitungen voranzutreiben. Bei einer von Umweltkreisen im 2016 in Auftrag gegebenen Umfrage des Liechtenstein-Instituts standen aber weniger als ein Drittel der Befragten solchen Aufweitungen auf Liechtensteiner Seite eindeutig positiv gegenüber. Sollen nun mittels EWR-Verträge und EU-Richtlinien solche Flussaufweitungen gegen eine Mehrheitsmeinung in Liechtenstein gar von «oben herab» politisch erzwungen werden?


Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung