Leserbrief

O gratis langet ned för alli

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 30. Januar 2018

Neulich kam einer auf die Idee, dass, wenn er schon ein Zeitungsabonnement kauft, er dafür also Geld ausgibt, er auch verlangen könne, dass darin nur gut sortierte, wahrscheinlich auch hochstehend, intellektuell ausgewogene, für seinen Gaumen gut erträgliche Artikel und stets bestens zensurierte Meinungen seiner Mitbürger geliefert bekommen müsse. Sein geliebtes Geld will er also nur für der Zensur zum Opfer gefallenes Papier herausrücken.
Da fragt man sich, was der gute Mann aus Mauren denn macht, wenn er einen Fernseher und sogar einen Computer mit Internetanschluss zu Hause stehen hat. Was macht er nur, wenn diese Teufelskisten, für welche er noch viel mehr Geld wie für die Zeitungen ausgibt, ihm Pornos, Lesbos, Machos, Brutalos, Hirnloses, Geistloses, Geschichtsloses und sinn- und visionslosen Müll mitten in seine gute Stube strahlen? Trägt er dann die Geräte zum Verkäufer zurück und verlangt sein geliebtes Geld wieder? Manchmal kommt man eben nicht draus, wenn einer nur seine halbe Courage, dafür aber vehement und zielstrebig mitteilt und seinen Blickwinkel nicht verlässt. Aber das ist nicht so schlimm.
Erstaunlich zielstrebig, aber halt eben auch mit einem sehr eigenen Blickwinkel führt dafür Frau Karin Jenny das Schwert, welches sie gezielt auf «Liewo»-Mann Michael Winkler richtet. Sein nach ihren Richtlinien krudes Weltbild passt ihr genauso wenig, wie seine Ansichten über den Status der Frauen in der Gesellschaft. Die «Gleichheit» im Landtag wäre nicht mehr zu überbieten. Wofür aber der Winkler keine Schuld trägt. Oder etwa doch? Lohngleichheit, Frauenpräsenz in der Politik und die Anregung dazu, wären aus Winklers Perspektive «Gleichmacherei» und daher zu verurteilen. Kennt man das nicht aus der Geschichte: «Hängt ihn noch höher.» Und obwohl die «Liewo» gratis ist und ihr auch noch kostenlos in den Briefkasten gelegt wird, hält sie es für dringend notwendig, ihm, dem Michael Winkler, sagen zu müssen, er solle «den Ball flach halten», wenn er glaube, er müsse schon als Ratgeber amten. Ihr eigener und wissender Rat an ihn ist natürlich für ein höheres Ballspiel geeignet. Sie weiss, über alles erhaben, wo die Grenzen sein müssen, wo der Ball zu fliegen hat und was alles zu verurteilen ist. Fehlt nur noch, dass sie auch verkündet, was man mit dem Winkler jetzt machen müsste. Einsperren? Deportieren?
Vergessen wir lieber nicht, dass die grösste Tragödie der Menschengeschichte in diesem Anfang auch ihr schreckliches Ende hatte.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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