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Leserbrief

Die Natur braucht «Trittsteine» und Liechtenstein gerät unter Zugzwang

Landtagsfraktion der Freien Liste | 27. Januar 2018

Wasser ist die Grundlage jeden Lebens und gesunde Gewässer sind die erste Voraussetzung für Artenvielfalt. Gewässerschutz hat auch für unser Land somit oberste Priorität. Vergangenen Montag erging darum ein überregionaler Weckruf an die Regierung: Die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) und die Werkstatt Faire Zukunft protestierten gemeinsam mit dem WWF St. Gallen und dem Naturschutzbund Vorarlberg gegen die Lethargie der Liechtensteiner Regierung beim Gewässerschutz.
Worum geht es den Umweltschutzorganisationen im Wesentlichen? Wichtigster Punkt ist laut Andi Götz von der Werkstatt Faire Zukunft die Revitalisierung des Alpenrheins. Sie ist ein umfassendes Konzept, das den ganzen Abschnitt von Reichenau bis zum Bodensee einschliesst. 19 Aufweitungen sind im Entwicklungskonzept Alpenrhein von 2005 (!) vorgesehen, das auch die Liechtensteiner Regierung unterschrieben hat. Vier davon betreffen Liechtenstein: Balzers/Trübbach, Sevelen/Vaduz, Eschner Au und Ruggell/Bangs. St. Gallen und Graubünden oberhalb und St. Gallen und Vorarlberg unterhalb Liechtensteins sind dabei, dem Rhein sein Stück Natur zurückzugeben. Der Wert dieser Bemühungen wird massiv abgeschwächt, wenn auf der Liechtensteiner Strecke nichts passiert. Die Natur braucht «Trittsteine» zwischen unnatürlichen Stellen. Beim Rhein braucht es alle vier bis fünf Kilometer eine Aufweitung von mindestens zwei Kilometern Länge. Wenn auf der Liechtensteiner Strecke der kanalisierte Rhein auf 27 Kilometern in seinem jetzigen unnatürlichen Zustand verbleibt, wird die Wirkung der Aufweitungen unserer Nachbarn stark abgeschwächt.
Die Liechtensteiner Regierung hätte bereits 2016 einen Bewirtschaftungsplan und Massnahmenprogramm nach der EWR-Wasserrahmenrichtlinie vorlegen müssen und hat dies versäumt. Obwohl man im Grund genommen wüsste, was zu tun ist, fehlen laut der LGU eindeutige Zielsetzungen und konkrete Massnahmen – was natürlich auch jede verbindliche Zeitplanung so gut wie verunmöglicht und die fristgerechte Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie gefährdet. Wenn Liechtenstein hier weiter den Kopf in den Sand steckt, wird es sich politisch isolieren und die gute Nachbarschaft auf eine harte Probe stellen.
Erst im November 2017 hat die Freie Liste auf das vage, unzureichende Programm der Regierung beim Gewässerschutz hingewiesen und einen Vorschlag für eine Budgeterhöhung im Bereich Naturschutz, d. h. zur Erhaltung der Biodiversität und der Wasserqualität eingebracht. Der Antrag wurde abgelehnt.
Die Freie Liste unterstützt die Forderungen der Naturschutzorganisationen auf politischer Ebene. Es ist höchste Zeit, dass die Regierung den Weckruf ernst nimmt und den Unterschriften, die sie vor Jahren geleistet hat, Taten folgen lässt. Wie ist Ihre Meinung zum Gewässerschutz und den geplanten Rheinaufweitungen? Schreiben Sie uns auf info@freieliste.li.

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