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Leserbrief

Lob der Langsamkeit

Georg Kieber,Binzastrasse 6, Mauren | 21. Januar 2016

Moderne Kommunikation

In seinem «Sapperlot» («Vaterland», Dienstag, 19. Januar 2016) bringt Daniel Bargetze zum Ausdruck, wie wohlgesinnt er der elektronischen Kommunikation gegenüber ist. Da man heute E-Mails auch unterwegs empfangen, lesen und beantworten könne, sei, beeinflusst durch Instant Messaging, Smartphone-, WhatsApp und Snapchat, die Beantwortung einer Nachricht innerhalb von vier bis sechs Stunden angebracht. «Sie kommen da nicht mehr mit?», fragt er und tritt uns verbal in den Hintern: «Reissen Sie sich zusammen – die Schnellen fressen die Langsamen!» Damit wird deutlich, dass die neuen Erkenntnisse in diesem Bereich unbemerkt an ihm vorübergingen. Wenn wir nicht gerade Rennfahrer sind, ist Schnelligkeit in aller Regel nicht erstrebenswert. Die Beschleunigung aller Lebensdinge ist der Garant für die Verödung aller Lebensdinge. Im Roman «Die Langsamkeit» wird die Schnelligkeit als Dämon bezeichnet. Der Gehirnforscher Manfred Spitzer titelt plakativ: «Digitale Demenz» und «Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen». Die Hektik des modernen Lebens, das permanente E-Mail-Checking, überwältigt uns, lähmt unsere Fähigkeit, zu beobachten, hinzuhören, zu staunen oder den Blick nach innen zu richten. Mit dem Hinweis, dass es pressiert, kann man bequem vor dem Denken fliehen. Die Langsamen werden nicht von den Schnellen gefressen. Die Langsamen denken, musizieren, malen und tun ordentlich die Arbeit bis die Schnellen nach Burn-out, Depression oder der Stress-Folge-Erkrankung (meist nur halb geheilt) wieder in der Gesellschaft zurück sind.


Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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