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Leserbrief

Glyphosat – Für die Regierung kein Thema

Landtagsfraktion der Freien Liste | 20. Januar 2018

Wie ernst nimmt unsere Regierung die Themen «Umweltgefährdung und Gesundheit»? Liest man die Antwort auf die Kleine Anfrage der Freien Liste vom 5. Dezember 2017 zum Einsatz des Herbizids Glyphosat in der heimischen Landwirtschaft, entsteht der Eindruck, dass sie die Angelegenheit auf die leichte Schulter nimmt.
Laut der Umweltministerin werden hierzulande keine Daten zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erhoben. Sie führt zudem aus, dass «auch Schätzungen zur Verwendung von Glyphosat mit grossen Unsicherheiten behaftet sind, weshalb keine Aussagen zu den in Liechtenstein verwendeten Mengen von Glyphosat gemacht werden können. Dies tönt nach einer Vogel-Strauss-Haltung: «Ich weiss es nicht, daher besteht kein Handlungsbedarf.» Ausserdem gibt sich die Regierung machtlos. Wörtlich heisst es in der Antwort auf die Kleine Anfrage: «Aufgrund von EWR-Bestimmungen und der aufgrund des Zollvertrages direkt anwendbaren schweizerischen Bestimmungen kann Liechtenstein den Wirkstoff Glyphosat nicht verbieten.» Ist es nicht viel eher so, dass sich die Regierung mit dem Wirkstoff und seiner schädlichen Wirkung gar nicht beschäftigen möchte? In der Antwort der Regierung heisst es nämlich weiter: «Es ist nicht angedacht, Anwender von zugelassenen Produkten dazu aufzufordern, auf diese Produkte freiwillig zu verzichten. Der Nutzen einer solchen Aufforderung dürfte denn auch gering sein, wenn dem Anwender kaum Alternativen zur Verfügung stehen. Glyphosat ist das einzige zugelassene Totalherbizid mit systemischer Wirkung; das heisst, dass die ganze Pflanze inklusive Wurzel abgetötet wird. Würde dieser Wirkstoff verboten, so könnte er nicht mit einem anderen Wirkstoff 1:1 ersetzt werden.»
Das Herbizid Glyphosat wird seit 40 Jahren auf Feldern zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Allein in Deutschland sind es mindestens 5000 Tonnen pro Jahr, weltweit wurden seit 1974 rund 9,4 Millionen Tonnen Glyphosat versprüht (das entspricht ungefähr der Menge bzw. dem Wassergewicht von 2300 olympischen Schwimmbecken), 72 Prozent davon allein in den letzten 10 Jahren (Quellen: Newsweek Februar 2016 & Benbrook). Nicht nur Forscher und Naturschützer machen das Gift für das Bienen- bzw. Insektensterben und den Rückgang der Artenvielfalt in der Natur verantwortlich. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation stuft die Chemikalie als «wahrscheinlich krebserregend» ein. Inzwischen haben rund 1,3 Millionen Menschen in der EU die «Stopp Glyphosat-Initiative» unterzeichnet. Auch in der Liechtensteiner Landwirtschaft wird das Mittel eingesetzt und viele sind beunruhigt über den Einsatz des Allesvernichters. Angesichts der Umweltgefährdung liest sich die Antwort der Regierung eindeutig unbefriedigend.
Es ist demnach Landwirten und Privatpersonen möglich, hierzulande Herbizide nach Belieben einzusetzen. Kontrolle oder Auflagen greifen nicht. Der bewusste Konsument hat die Möglichkeit, sich für Produkte aus biologischem Anbau zu entscheiden. Unsere Regierung unterstützt ihn nur halbherzig dabei. Sie verweist auf ihre Förderung der Biolandwirtschaft, die in der Realität jedoch noch zu kurz greift.

Landtagsfraktion der Freien Liste

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