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Leserbrief

Siebter Teil: Wahlen

Amon Marxer, Eschen | 18. Januar 2018

Gerade wird weibliches Kanonenfutter für die nächsten Wahlen gesucht. Deshalb zu all den Alibi-übungen noch eine Prise Ehrlichkeit: Wer zwei Doktortitel hat, braucht keine eigene Meinung, um gewählt zu werden. Wer ein Micky-Maus-Diplom oder gar keinen Studienabschluss besitzt, der muss auf andere Weise zeigen, dass er/sie was im Kopf hat. Das ist nunmal die hässliche Realität. Die gute Nachricht: In keinem Land ist das einfacher als in Liechtenstein. Die Kampagnen zur Sichtbarmachung von Frauen sind begrüssenswert. Es gibt aber ein sehr viel wirkungsvolleres Mittel: Leserbriefe. Damit erreicht man in Liechtenstein einen Grossteil des Wahlvolkes. Aktuell werden zwar Tränen darüber vergossen, wie ungehobelt es in den Leserbriefspalten angeblich zugehe. Tatsache ist aber doch, dass jemand, der das bischen Gegenwind nicht aushält, auch nichts in der Politik oder in einer Führungsposition verloren hat. Da muss man sich trauen, seine Meinung auch öffentlich, gegen Widerstand und in unfreundlicher Atmosphäre zu vertreten. Wer sich bei der Müllabfuhr bewirbt, verlangt ja auch nicht, bei der Arbeit nicht schmutzig zu werden. Spätestens wenn man gewählt ist, wird man sowieso in der gegnerischen Parteizeitung zerrissen. Zumindest, wenn man mehr tut, als nur aufzustrecken. Ohne Konflikt keine Problemlösung, und darum geht es in der Politik.
Wer eine Meinung hat, hat vermutlich auch Feinde. Deren Zahl wird aber masslos überschätzt. Was in den Köpfen anderer vorgeht, weiss ich zwar nicht, aber meine Liste ist erstaunlicherweise leer – trotz wenig «fühlsch-mi-gschpürsch-mi». Gelegentlich wird geknurrt und zurückgeknurrt. Aber wie langweilig ist der Umgang nur mit Menschen, die gleicher Meinung sind? Da lernt man ja nichts. Nur, weil ich bei einem Thema anderer Meinung bin als ein/e Politiker/in, heisst das noch lange nicht, dass ich ihn/sie nicht wählen würde. Herbert Elkuchs Standpunkt in Sachen Familienpolitik lässt meine Gesichtszüge entgleisen, aber bei den meisten anderen Themen sehe ich viele Gemeinsamkeiten sowie eine Menge Verstand und Fleiss am Werk. Deshalb ist auch Themenvielfalt wichtig. Wessen Meinung dauernd am Verstand und an den Fakten vorbei nach draussen blubbert, wird natürlich nicht ernst genommen. Aber die Vorstellung, keine Fehler machen oder seine Meinung nie ändern zu dürfen, ist lächerlich. Klar kassiert man dafür Häme. Aber Lernfähigkeit ist sympathisch. Konstante Beratungsresistenz schätzt hingegen kaum jemand. Also keine Panik.
Wer keinen Doktortitel hat, braucht Profil und das braucht Zeit.
Informiert Euch, denkt nach, steht auf. Das Wasser ist nicht so kalt.

Amon Marxer, Eschen

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