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Leserbrief

Streitkultur und Demokratie

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 13. Januar 2018

Wer schläft, der kritisiert nicht. Das lauwarme Umgarnen von Freunden und Gegnern gehört hoffentlich in der Politik bald der Vergangenheit an. Das Interesse an der Politik nimmt stetig zu. Eine gute Nachricht, denn Desinteresse und Politikverdrossenheit sind zwar kurzfristig bequemer, aber langfristig sehr gefährlich für eine Demokratie. Wir brauchen nicht weniger Polarisierung, sondern mehr. Wir brauchen Menschen, die den Mut haben, vorherrschende Meinungen zu enttabuisieren. Kritiker, die es wagen, «Political Correctness» infrage zu stellen und die «Moralkeule» als billigen «Taschenspielertrick» zu entlarven. Der Ruf nach Mässigung und Anstand kommt einem scheinheiligen Versuch gleich, Kritiker mundtot zu machen. Eine Demokratie lebt von Auseinandersetzungen. Übersensible Gemüter haben in der Politik nichts zu suchen. Leider wird immer wieder versucht, uns das Gegenteil glaubhaft zu machen. Eine Klartextkultur erschwert Machtbissbrauch und trägt zu einer offenen Meinungsbildung bei. Kontroverse Diskussionen fördern das Lebendige in der Politik und helfen, Lösungen zu finden. Sprachverbote, Anpassungen und mediale Zensur hingegen vergiften die geistige Atmosphäre und lähmen lösungsorientierte Debatten. Statt zu Offenheit und Toleranz führt politische Korrektheit zu Feigheit und Anpassertum. Anlässlich des VU-Neujahrstreffens wurde Dr. Wilhelm Beck geehrt. Nicht zuletzt seinem Kämpfergeist und seiner griffigen Streitkultur war es zu verdanken, dass sich Liechtenstein als eigenständiger Staat prosperierend entwickeln konnte. Auch Dr. Beck wurde immer wieder als Populist gebrandmarkt. Die Gefahr, Entwicklungen zu verschlafen, ist der Preis, den wir bezahlen, wenn wir robuste Ausseinandersetzungen im Keime zu ersticken versuchen. In anspruchsvollen Zeiten, wie den jetzigen, grenzt ein politisches Harmonie- und Kuschelbedürfnis an Selbstmord. Wer die Demokratie bewahren will, muss bereit sein, auch mit politisch unliebsamen Gegnern zu reden. Gilt es nicht gerade die «hässliche» Meinung zu schützen, die «korrekte» und staatstragende Meinung braucht keinen Schutz. Wer engagiert bei der Sache ist, der wird auch mal unsachlich und provokant klingen – das ist auch gut so! Wir sollten gegen NoHateSpeech kämpfen im Sinne unserer Meinungsfreiheit und Demokratie. In China werden sogenannte Regimegegner ins Gefängnis gesteckt. In den westlichen Demokratien nennt man Kritiker «Populisten» und man versucht, sie und ihre Argumente so zu diskreditieren. Die derzeitige Leserbriefdebatte offenbart ebenfalls eine ideologische Indoktrination.


Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg

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