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Leserbrief

Leserbriefe und Zensur

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 11. Januar 2018

Das «Vaterland» stellt in der neuen Umfrage der Woche die Frage, ob Leserbriefe «stärker eingeschränkt» werden sollen. Die Frage ist sehr unglücklich gestellt. Wenige wollen wahrscheinlich eine grundsätzliche Einschränkung von Leserbriefen. Die Frage ist vielmehr: Müssen Zeitungen auch Leserbriefe veröffentlichen, die keinen Sachbezug haben, die persönlich beleidigend sind oder nur das Sendungsbedürfnis des Autors befriedigen, indem er vorgaukelt, er müsse als Robin Hood den Bedrängten, den Witwen und Waisen eine Stimme geben. Ich meine damit: «Herr ..., bevor Sie in Liechtenstein etwas schreiben, wäre es sinnvoll, wenn Sie sich auf Schweizer Boden … einsetzen. Auch Schweizer Bürger sind nicht so saudumm … Schauen Sie keine Nachrichten?» («Vaterland», 21.12.2017). Und wer in aller Ruhe die Substanz bestimmter Leserbriefe hinterfragt, muss sich gefallen lassen, dass er ohne jeden Bezug zum Gesagten als Staatsangestellter beschimpft wird, der «bei fürstlichem Lohn in ein und denselben Sessel hineinfurzt». Es wird die Aussage «uns geht es gut» frei erfunden, um zu poltern, solch «Gesalbte» sei, «wenn es auch von einem gut bezahlten Landesangestellten kommt, einfach zum Kotzen». Oder, man mag eigentlich gar nicht weiter zitieren, sachliche Fragen werden als «Hetze» gegen die freie Meinungsäusserung gebrandmarkt («Vaterland», «Volksblatt», 9. Januar 2018) Die Zitate stehen nur beispielhaft für den sich wiederholenden, ständig gleichen Rauch aus den ähnlichen Küchen. Es ist nicht richtig, zu argumentieren, ich sei frei, Leserbriefe, je nach Unterzeichner, zu lesen oder nicht. Ich kaufe ein Abo des Theaters am Kirchplatz, weil ich darauf vertraue, dass der Intendant gute Qualität auswählt, und es wäre lächerlich, von Zensur zu sprechen oder Verweigerung kultureller Vielfalt zu beklagen, wenn es das Feuerwehrtheater Mauren nicht ins TAK schafft. So muss ich auch einer Zeitung vertrauen können. Was in den Gratiszeitungen steht, hinterfrage ich nicht. Aber wenn ich eine Zeitung abonniere, erwarte ich, dass der/die Redaktor/-in die Arbeit tut. Wir sind interessiert an verschiedenen Sichtweisen. Daher sind Kommentare, pointierte, abweichende Meinungen und Leserbriefe beliebte Rubriken. Aber, in der von mir bezahlten Zeitung möchte ich, dass Respekt und Anstand auch in Leserbriefen zur Anwendung kommen.

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren

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