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Leserbrief

«Als die Nazis ...

Amon Marxer,Eschen | 10. Januar 2018

… die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist ...» Wer kennt es nicht, das Zitat von Martin Niemöller?
Eigentlich könnte ich mich zurücklehnen, die Zensur meiner Leserbriefe wird ja nicht gefordert. Noch nicht. Einst stand der Zensor nachts in Springerstiefeln vor der Tür. Heute schleicht er sich von links im Gewand der Toleranz und des Anstands in unsere Mitte: Political Correctness. Wenn der Social Jus­tice Worrier von heute in den Spiegel schaut, sollte er dort seinen braunen Zwilling von gestern erkennen. Gestern die rassische Überlegenheit, heute die vermeintliche moralische, die es rechtfertigen soll, Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. Schaut man sich Bilder von Demonstrationen an, könnte man meinen, die dumpfen Glatzen und die Antifa-Drohnen teilten sich nicht nur die geistige Grundhaltung sondern auch den Schneider. Erstaunlich, wie bereitwillig Generationen, die nie für ihre Freiheit kämpfen mussten, diese aufgeben. Eine verdammte Schande. Für mich gibt es intellektuell nichts Ekligeres, als den Versuch, die freie Meinungsäus­serung zu beschneiden. Sei dies durch den Appell, Personen wie Nigel Farage in unserem Land nicht sprechen zu lassen, oder die Leserbriefe gewisser Leute nicht länger zu veröffentlichen. Es ist nicht das erste Mal. Mit Nigel Farage kann ich wenig und mit Jo Schädlers Meinung zu Homosexualität gar nichts anfangen. Aber wie heisst es so treffend: «Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.» (Evelyn B. Hall) Mit Sorge beobachte ich die Willfährigkeit, mit der wir die «Hate-Speech»-Gesetze Europas übernehmen und die Definition von «Diskriminierung» ausweiten. Der Versuch, Anstand gesetzlich zu regeln, schafft eine trügerische Ruhe, denn mit der Politik ist es wie mit der Toilette. Wer seine Augen lange genug vor den kleinen Problemen verschliesst, der schafft sich die grossen: Irgendwann kocht die braune Suppe hoch. Wer dem Extremisten mit der Schlinge der Political Correctness die Kehle zuschnürt, verhindert damit nicht, dass er sich eine Bombe umschnallt. Nur eine Meinung, die man kennt, kann man durch Diskussion ändern, und so mancher disqualifiziert sich in den Augen der Allgemeinheit von selbst, wenn er den Mund aufmacht – Problem gelöst. Die freie Äusserung auch von Meinungen, die man selbst nicht teilt, ist das Fundament unserer Demokratie. Niemand ist gezwungen, Leserbriefe zu lesen. Ich ignoriere auch so manche.
Zum Schluss: Mir sind Nazis, die zuhören, allemal lieber, als faschistoide linke Schneeflocken, die sich die Ohren zuhalten und nach ihren Mamis rufen.

Amon Marxer,
Eschen

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