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Leserbrief

Pyrrhussieger Ärztekammer – Verlierer Liechtenstein

Dr.oec. Herbert WerleAm Irkales 7, Vaduz | 11. Dezember 2017

Die Nebel lichten sich. Die Argumente der Ablehner im Landtag: befürchtete Mengenausweitung, befürchtete Prämienerhöhungen, befürchteter Abfluss des «Geldes» aus Liechtenstein in die Schweiz. Man reibt sich die Augen und möchte ihnen zurufen: Ja seid ihr noch bei Sinnen. Argumente von Protektionisten, die die Grenze «dicht»-machen wollen, damit das «Geld im Land» bleibt. Liechtenstein profitiert enorm von der Schweiz, von offenen Grenzen und Freihandel, auch im Gesundheitswesen. Wie sonst könnten sich spezialisierte Kliniken und Praxen im Land ansiedeln und gedeihen. Mit den Kunden aus Liechtenstein allein würde sich dies nie tragen. Ausgezeichnete Medizin zieht Kunden aus vielen Ländern an und es kommt Geld in das Land, auch aus der Schweiz. Nicht konkurrenzfähige Leistungen (auch medizinische) zu hohen Preisen jedoch geraten in einer globalisierten Welt unter Druck. Die Ärztekammer hat offensichtlich die Befürchtung, dass das Angebot zahlreicher Liechtensteiner Ärzte nicht konkurrenzfähig ist und deshalb Kunden abwandern könnten, weil die Leistungen billiger und besser in der Schweiz erbracht würden.
Die Ablehnung des freien Zugangs zu Schweizer Ärzten ist vor allem auch ein Schlag ins Gesicht der nicht so gut Verdienenden, die nur in der Grundversicherung versichert sind. Gut Verdienende mit Überobligatorium können sich den Arzt, je nach Versicherung aussuchen, ob in Liechtenstein, der Schweiz oder überall auf der Welt. Es ist eine Bevormundung des freien Bürgers, wo er seine ärztlichen Leistungen zu beziehen hat. Der Sieg der Ärztekammer im Landtag könnte sich als Pyrrhussieg erweisen, mit negativen Folgen für den Standort Liechtenstein. Und noch dies – think the unthinkable! Die Beziehung zur Schweiz wurde mit diesem Entscheid, nach dem Swisscom/Telekom-Desaster, ein weiteres Mal schwer beschädigt. Was wäre, wenn auf einmal auf dem Rhein ein schwarzer Schwan in der Kündigung des Zollvertrages durch die Schweiz dahergeschwommen käme. Die Landtagsabgeordneten, die das Gesundheitsabkommen abgelehnt haben, können sich ausmalen, was das für Liechtenstein bedeuten würde. Dann bleibt der Schweizerfranken und vieles mehr nicht mehr im Land. Die Schweiz braucht Liechtenstein nicht, aber Liechtenstein braucht die Schweiz. Think the unthinkable! ... nach der Schlagzeile in der NZZ am Sonntag auf der Titelseite: «Liechtenstein denunziert die Schweiz bei der EU» ... maybe not so unthinkable anymore.

Dr.oec. Herbert Werle
Am Irkales 7, Vaduz

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