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Leserbrief

Anonyme Literaturexpertise

Jens Dittmar,Torbariet 6, Balzers | 7. Dezember 2017

Anonyme Briefe sind für mich immer wieder ein besonderes Vergnügen, geradezu eine Gaudi. Meist lässt ihr Geifer tief blicken, tiefer, als es dem Autor lieb sein kann. Und oft strotzen sie auch noch vor Fehlern und Patzern. Darüber kann ich herzhaft lachen.
Ärgerlich wird es erst, wenn der Autor als Literaturexperte auftritt, wie jüngst nach Veröffentlichung meines neuen Romans «Falknis. Eine Mordgeschichte». Dann würde man den Anonymus liebend gern fragen, was gute und was schlechte Literatur ist. Ich beschäftige mich nämlich seit vielen Jahren mit dem Thema, ohne dass ein Ende absehbar wäre. Grund dafür ist die Erfahrung, dass sich Kriterien und Werte immer wieder verändern und der «huera Seich» von heute womöglich morgen schon zum Kanon der Weltliteratur zählt.
Wer würde es da nicht begrüssen, wenn ihm ein naseweiser Zuckerbäcker oder Koch sein Rezept für gute Literatur verriete! Indes ist zu befürchten, dass er (oder sie) sich mit Speisekarten, Kontoauszügen und Bilanzen weit besser auskennt als mit Romanen und Erzählungen.
Ein gewisser Ezra Pound – Sie werden ihn wohl nicht kennen, lieber Anonymus! … Also dieser Ezra Pound soll gesagt haben, dass gute Literatur mindestens 20 Jahre braucht, um sich durchzusetzen. Solange würde ich an Ihrer Stelle noch warten, bevor ich ein letztes Urteil fälle.

Jens Dittmar,
Torbariet 6, Balzers

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