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Leserbrief

Kurze Wege wo?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 5. Dezember 2017

Beamtenstaat

Sagenhafte 6 lange Wochen dauert es, ein paar Meter Strasse von Eschen nach Nendeln mit einem neuen Belag zu versehen. Technisch und personell wäre eine Reparatur in zwei Tagen problemlos möglich gewesen, sagt das Strassenbauunternehmen und der gesunde Menschverstand vermutet es sowieso. Aber bei den Vorgaben des Bauamtes war wohl der Zeitfaktor nicht relevant, denn der Bürger kann nicht nur warten; er hat zu warten.
Dass man die kleinen Tötteliautofahrer in ihren Blechkisten gnadenlos der Missachtung ausliefert ist eine Sache, dass man aber ein ganzes Industriegebiet einfach wochenlang auseinanderreisst, ist doch bemerkenswert. So mussten Betriebe, die täglich mehrmals Waren in Richtung Bendern oder sogar nach Eschen ins Mutterhaus liefern, den Rückweg über Schaanwald in Kauf nehmen. Strassenbau made in Liechtenstein der höchsten Vollendung; brutalisiertes Durchsetzungsrecht auf Amtsebene.

Nun kann man die Sache der Laune der Natur, einem Versagen des Stras­senbauers, des Wetters Unbill, gar dem sumpfigen Untergrund zuschieben. Das ist am einfachsten. Ist es aber nicht. Auftraggeber und Verantwortlicher ist das, was zumindest früher Tiefbauamt hiess. Das macht den Zeit-, Ausführungs- und Verkehrsplan. Regierung und Landtag haben nur das Geld gesprochen. Natürlich in der dümmlichen Annahme, oder aber in der kindlichen Vermutung, das zuständige Amt würde es ganz bestimmt nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Steuerzahlers in diese Reparatur einfliessen lassen. Und natürlich mit dem von Regierung, Landtag, Volk, Bürgern und Ämtern hochgelobten Geboten und immer wieder hoch und noch höher gejubeltem Willen, dem Land eine Infrastruktur zu verpassen, welche neue Unternehmen anziehen und ihnen einen weltweit einmaligen Wirtschaftsstandort, ja den Garten Eden böte.
Vor diesem Hintergrund verblassen die alle vier Jahre immer wieder neu hervorgekramten Albernheiten auf den Wahlplakaten, man wolle das Land für neue Unternehmen attraktiv machen. Als Trumpf werden dann immer die kurzen Wege und die speditiven Ämter hochgelobt. Wie der Alltag zeigt, alles nur Firlefanz und Gesülze. Und die kurzen Wege vergammelter Speck der Mausefalle.
Man kann aber den Gedanken einfach nicht aus den Augen lassen, dass vielleicht auch die Wahlversprechen der Regierungskandidaten vor dem nächsten Legislativ daran scheitern, wo sie immer scheitern. Nämlich an dem uneinnehmbaren Bollwerk Beamtenstaat und seinen Vasallen, die sich an jedem Werk gehörig zu behaupten wissen.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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