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Leserbrief

Hängebrücke 2.0

Amon Marxer, Eschen | 4. Dezember 2017

Jetzt behaupten wieder alle, sie seien bei der Ausarbeitung des Gesundheitsabkommens mit der Schweiz nicht ausreichend informiert oder eingebunden worden. Hatten wir das nicht kürzlich? Genau! Wie bei der Hängebrücke. Man runzelt jedoch die Stirn, wenn FBP-Abgeordnete vereinzelt und die VU geschlossen, erst jetzt, da das Abkommen mit der Schweiz unterschriftsreif ist, plötzlich aus den Büschen springen. FBP und VU stellen die Regierung, die mit Bern einen Vertrag fertig ausgehandelt hat, haben aber offenbar keinen blassen Schimmer, ob das Abkommen sinnvoll ist? So sieht es für mich als Bürger jedenfalls aus. Zugegeben, ich lese nur die steuerfinanzierten Gratisausgaben unserer Landeszeitungen und bin deshalb vielleicht nicht top informiert – aber welcher Bürger ist das schon? Wenn alle jetzt erst aufgewacht sind, sollte die Abstimmung im Landtag vielleicht tatsächlich verschoben werden. Zurück zum Start. Dann wäre aber eine Entschuldigung an die Schweizer für unsere Ahnungslosigkeit und die Verschwendung ihrer Zeit angebracht. Lieber inkompetent und anständig, als nur inkompetent. Tja, wenigstens lernen wir nun aus Leserbriefen einiges über unser Gesundheitssystem, wie z. B. dass wir in der Vergangenheit bereits den Zustand hatten, dass schweizer Ärzte über unsere Krankenkassen abrechnen konnten. Zwar betraf dies nur die Ärzte im Grenzgebiet, aber das scheint wenig relevant, zumal kein normaler Mensch ein paar Hundert Kilometer fährt, um seinen Hausarzt zu sehen. Auch in Zukunft würden Leistungen primär von Ärzten im Grenzgebiet erbracht. Wir haben also bereits Erfahrungen mit einem offenen Markt und bis jetzt hat niemand behauptet, diese würden die Horrorszenarien hinsichtlich Mengenausweitung bestätigen. Ausserdem würde mich interessieren, wie gewisse Politiker auf die Idee kommen, die Ärzte in Liechtenstein ohne OKP-Vertrag, die wohl zu einem guten Teil aus der EU zugewandert sind, könnten einfach so über den Rhein ziehen. Schliesslich hat die Schweiz den geltenden Ärztestopp just aus dem Grund eingeführt, den unkontrollierten Zustrom von Ärzten aus dem europäischen Wirtschaftsraum – und dazu gehört auch Liechtenstein – zu unterbinden. Davon abgesehen haben die vorhandenen Schweizer Ärzte bereits Patienten; der Vergleich von Herrn Lageder mit Ärzten, die gerade erst eine Praxis eröffnen, die sie füllen müssen, hinkt also gewaltig (1fl.li 02.12.2017). Aber die FL ist sich ja nicht zu schade, einen Sachverhalt herunterzudummen, wenn es ihrer Agenda nützt. Populisten sind schliesslich immer nur die anderen.

Amon Marxer,
Eschen

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