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Leserbrief

Krankenpflege- versicherung: Preis für Abkommen mit Schweiz zu hoch

Landtagsfraktion der Freien Liste | 2. Dezember 2017

Der Dezember birgt Zündstoff im Bereich Gesundheitswesen. Bewilligt der Landtag das Staatsabkommen zur gegenseitigen Übernahme der Kosten im ambulanten Bereich der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), ist eine Prämien­erhöhung programmiert. Mittelfristig löst dies zudem eine Abwanderung von Ärzten aus Liechtenstein in die Schweiz aus. Zwar attraktiv verpackt, wird das Abkommen dem Gesundheitswesen in Liechtenstein langfristig das Rückgrat brechen. Unmittelbar benachteiligt sind alle Ärzte und Leistungserbringer in Liechtenstein, die bisher nicht von der OKP abgedeckt sind. Versicherte, die einen dieser Nicht-OKP-Ärzte oder einen Schweizer Arzt konsultieren wollten, bezahlten dafür bis anhin zusätzlich 40 Franken im Monat (OKP-Plus, freie Arztwahl). Das Abkommen bietet neu den Zugang zu rund 30 000 ambulanten Leistungserbringern in der ganzen Schweiz ohne Prämienaufschlag, aber die Behandlung durch Nicht-OKP-Ärzte in Liechtenstein wird weiterhin zusätzliche 40 Franken im Monat kosten. Angesichts dieser Inländerdiskriminierung werden viele Nicht-OKP-Ärzte wohl kopfschüttelnd in die Schweiz abwandern und ihre Steuern dort abliefern. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Öffnung zu einer Mengenausweitung medizinischer Leistungen und damit zu weiteren Prämienerhöhungen führen wird. Die Gegenleistung im Abkommen ist ein Trostpflaster: Wieder wie früher dürfen OKP-Leistungserbringer wie Logopäden, Physiotherapeuten und Apotheker auch Patienten aus den zwei Nachbarkantonen St. Gallen und Graubünden versorgen und über die Krankenkassen abrechnen. Diese gegenseitige Anerkennung wurde von der Regierung 2014 ohne Not aufgegeben.
Gemäss Abkommen könnten die Versicherten künftig die «OKP-Plus» umsonst haben. Den rund 10 000 Prämienzahlern, die für ihre freie Arztwahl bisher 480 Franken im Jahr entrichteten, sei das gegönnt. Den Liechtensteiner Krankenkassen werden jedoch diese jährlichen Einnahmen von mehr als 4 Millionen fehlen, logischerweise werden die Prämien für alle wieder steigen – monatlich mindestens um 10 Franken pro Person, sollten alle OKP-Plus Versicherten ihre Zusatzversicherung künden, was nur logisch wäre. Das wird wieder Menschen mit tiefen Einkommen und Familien mit Kindern in Ausbildung am härtesten treffen, nachdem sie bereits die erhöhten Franchisen und den gestiegenen Selbstbehalt schlucken mussten.
Bald wird es nur noch eine Frage der «Folklore», also des Nationalstolzes sein, dass junge liechtensteinische Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise medizinische Leistungserbringer in Liechtenstein eine Praxis eröffnen werden, wenn die Rahmenbedingungen in der Schweiz deutlich besser sind. Dieses Abkommen forciert eine solche Entwicklung – das Gesundheitswesen in Liechtenstein wird langfristig Schaden nehmen. In der Schweiz sind Hausärztinnen und Hausärzte willkommen, sie haben Planungssicherheit und keine bürokratische Hürden. Der Liechtensteiner Staat finanziert aber ihre Ausbildung mit, sie behandeln unter den neuen Bedingungen künftig Liechtensteiner Patienten in ihren Schweizer Praxen und entrichten ihre Steuergelder künftig in der Schweiz. Sind das gleich lange Spiesse im Gesundheitswesen? Schreiben Sie uns auf info@freieliste.li.

Landtagsfraktion der Freien Liste

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