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Leserbrief

Ach was

Amon Marxer, Eschen | 1. Dezember 2017

Im Zusammenhang mit dem Gesundheitsabkommen, das unter anderem den Zugang Schweizer Ärzte zum liechtensteinischen Markt erleichtern würde, wird in den Landeszeitungen von einer «Mengenausweitung auf 1300 Ärzte» der Nachbarkantone oder gar einer solchen auf 18 200 schweizweit (Lesermeinung vom 30. November 2017) gesprochen. Zugegeben, ich bin kein Gesundheitsexperte, aber ich traue mir trotzdem die Feststellung zu, dass das Unsinn ist. Nach dieser Logik müsste die Schweiz ihren eigenen Gesundheitsmarkt ja in Stücke der Grösse Liechtensteins mit jeweils eigener Bedarfsplanung unterteilen, um damit Kosten zu sparen. Ich glaube kaum, dass ein solcher Vorschlag in Bern mit mehr als einem Tippen an die Stirn quittiert würde. In der jüngeren Vergangenheit wurden bei uns der Tarmed und eine höhere Kostenbeteiligung eingeführt. Dies sind Meilensteine auf dem Weg zu einem transparenten, langfristig bezahlbaren Gesundheitssystem. Wie sie sich zuvor gegen diese Massnahmen gestemmt hatten, so wollen unsere Ärzte nun ihren abgeschotteten, äusserst lukrativen Markt ungern mit anderen Medizinern teilen. Mögliche Kosten sind ein Argument. Der Zugang zu Ärzten jenseits des Rheins allein führt aber nicht zu einer Mengenausweitung. Die Anzahl Ärzte in der Schweiz nimmt ja dank Ärztestopp nicht unkontrolliert zu. Sollte sich also herausstellen, dass Ärzte nach der Unterzeichnung des Gesundheitsabkommens vermehrt aus anderen Regionen der Schweiz ins benachbarte Rheinland ziehen, dann würde das zeigen, dass Liechtensteiner Patienten zwar nicht gesünder, aber offenbar wesentlich lukrativer sind als Schweizer Patienten. Das Gesundheitsabkommen wäre also zumindest ein nützlicher Lackmustest. Als Reaktion darauf müsste unser System weiter dem schweizerischen angeglichen werden, damit sich am Liechtensteiner Bürger nicht länger mehr verdienen liesse, als an einem gleichermassen gesunden Schweizer. Auch die Bedarfsplanung, soweit ich sie verstehe, wird durch das Gesundheitsabkommen nicht überflüssig.
Der Zugang von Ärzten aus dem EWR-Raum, die bei uns viel mehr verdienen könnten, muss natürlich weiterhin kontrolliert werden. Die Schweizer Ärzte hingegen rechnen bereits nach Tarmed ab, es besteht also keine vergleichbare Motivation, bevorzugt Liechtensteiner zu behandeln. Ich lasse mich hinsichtlich des Gesundheitsabkommens gerne eines Besseren belehren; bis dahin sehe ich aber keinen Grund für diese Hysterie.

Amon Marxer, Eschen

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