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Leserbrief

Sicht der Betroffenen

Romana Frick, Ulrike Kieber, Sidonia Ackermann, Geraldine Büchel, Isabell Ackermann... | 20. Juni 2017

DBA FL-CH

Am 24. April 2017 wurden wir Arbeitnehmenden mit Beschäftigung in einem öffentlich-rechtlichen Betrieb (Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, Kantonsspital St. Gallen) der Schweiz mit Wohnsitz im FL in einem Schreiben der Steuerverwaltung FL informiert, dass sich per 1. Januar 2018 die Besteuerung des Erwerbs ändert. Ab dem 1. Januar 2018 wird die Quellenbesteuerung auf das Bruttoeinkommen bei Mitarbeitern aus dem FL erhoben. Davon sind bis zu 90 Personen betroffen. Ein grosser Teil ist am Standort Grabs beschäftigt. Dieser Entscheid hat für uns enorme finanzielle Konsequenzen mit einem Netto-Einkommensverlust von bis zu 20 %. Was passiert, wenn die Betroffenen per Ende Jahr kündigen? Was denkt die FL-Bevölkerung darüber, wenn kein FL-Fachpersonal in den oben genannten Spitälern mehr vorhanden ist? Die Regierung Liechtensteins sollte die öffentlichen Institutionen stärken und nicht mit solchen Entscheidungen schwächen! Zum einen sollte sie sich bewusst sein, dass de facto zwar die medizinische Versorgung FL in grossen Teilen vom medizinischen Angebot des Kantons SG abhängig ist. Andererseits sind die öffentlich-rechtlichen Spitäler auf das finanziell attraktive Liechtensteiner Patientengut angewiesen, um eine positive Wirtschaftsbilanz vorweisen zu können. Zum anderen ist gut ausgebildetes Fachpersonal in den Spitälern Mangelware. Durch die Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Vaduz ist Fachpersonal – wie beispielsweise Hebammen, Pflegefachfrauen Wochenbett – gezwungen, sich eine Arbeitsstelle im Ausland zu suchen. Auch für Fachkräfte im Bereich Onkologie, Schlaganfall und Intensivstation besteht kein Stellenangebot. Es wird in Zukunft unattraktiv sein, Lehrstellen in diesem Kanton anzunehmen, weil auch Lehrlinge (z. B. Fachangestellte Gesundheit) von dieser Regelung betroffen sind. FL bietet ja gar nicht die Möglichkeit für alle jungen Berufsleute, ihre Lehre im eigenen Land zu absolvieren; das heisst, es ist unumgänglich, sich eine Lehrstelle im benachbarten Rheintal zu suchen. Die finanzielle Einkommenssituation wird die Attraktivität medizinischer Berufe nicht steigern, sondern den bereits bestehenden und zukünftig zunehmenden Personalnotstand weiter verstärken. Privatspitäler profitieren einmal mehr von dieser massiven Wettbewerbsverzerrung zwischen öffentlichen und privatrechtlichen Gesundheitseinrichtungen. Trotz der Kooperation mit dem Kantonsspital Chur werden zum grössten Teil die FL-Patienten im Spital Grabs betreut. Wo ist die Unterstützung durch die Regierung?
In der Verhandlungsphase zwischen dem Kanton St. Gallen und der Regierung FL wurde keine Basis für eine zusätzliche Finanzierung in Betracht gezogen. Die Regierung müsste interessiert sein, dass wir unser Einkommen dort versteuern, wo wir leben!
Adrian Hasler hat sich im Interview vom 27. April 2017 geäussert, dass kein Bürger zusätzlich mehr finanziell belastet werden muss. Warum sollen ausgerechnet wir die finanzielle Mehrbelastung tragen?

Romana Frick, Ulrike Kieber, Sidonia Ackermann, Geraldine Büchel, Isabell Ackermann-Büchel, Ursina Schmuckli-Gstöhl, Dr. med. Reto Nägele, Dr. med. Johannes Weber, Dr. med. Martina Egli und weitere Betroffene aus den Spitälern Grabs, Walenstadt, Altstätten und KSSG

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