Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Mister Nigel Farage, die EFTA und der Brexit

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 16. Juni 2017

Nigel Farage

Ein Vergleich mit dem Austritt eines der vier kleinen Länder aus der EFTA mit dem Brexit, wie neulich Frau Rieger in einem Leserbrief, bietet Gelegenheit über die Dumpfheit des politisch motivierten Verbalwürgegriffs nachzudenken. Und dem Liechtensteiner absprechen, dass er selber entscheiden kann, ob er einem Nigel Farage zuhören darf oder nicht, zeugt von noch weniger Toleranz. Beides aber zeugt davon, dass die extrem Linke der extrem Rechten in Sachen Intoleranz jederzeit das Wasser reichen kann.
Nigel Farage ist für die EU ein rotes Tuch, oder wie er es selber ausdrückte, eine biblische Plage. Weil er unter anderem aufdeckte, dass Abgeordnete das EU-Instrument nur dazu benutzen, sich daran persönlich zu bereichern, hat er sich bei den Herren dort natürlich sehr unbeliebt gemacht. Er hatte jedenfalls den Mut, Unterschlagungen in Millionenhöhe von EU-Kommissaren, die sich alle wie vom obersten Gott ernannte Hilfsgötter aufführen, aufzudecken und öffentlich anzuprangern. Ein mutiger und gradliniger Mann. Auch wenn er weder flämisch noch französisch spricht. Dumme Frage an Herrn Robin Schädler: Warum um alles in der Welt sollte er denn überhaupt flämisch sprechen? In den EU-Palästen in Bruxelles spricht ausser dem Fensterputzer diese Sprache nämlich und wahrscheinlich niemand.
Also ich fühle mich alt und erwachsen genug, selber zu entscheiden, ob ich die Visionen und Ansichten des Nigel Farage hören will oder nicht. Warum muss irgendein selbst ernannter Sittenwächter verhindern, dass ich mir mein Bild über ihn und seine Anliegen für ein anderes, ein vielleicht besseres Europa machen kann?
Und wer kontrolliert letztendlich den Herrn Robin Schädler, oder gar die Frau Eva Rieger, ob ihre dogmatische Forderung, Nigel Farage den Ausgang zu weisen, die darin krönt, ihren Mitmenschen die Rede-, Meinungs- und Denkfreiheit und zusätzlich nun auch noch die Zuhörfreiheit zu beschneiden, wirklich das Gelbe vom Ei sind? Wenn die zwei beiden jedoch dem Homo Mensura Satz – «Der Mensch ist das Mass aller Dinge, der Seienden, dass sie sind, der Nichtseienden, dass sie nicht sind» – entsprechen und die neuen puritanischen Säulen einer aufgeklärten und toleranten Liechtensteiner Gesellschaft verkörpern, dann muss ich mir meinen persönlichen Joex aus diesem dann sehr linken Linkenstein nicht mehr überlegen.
Voltaire meinte dazu: Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung