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Leserbrief

Meine Welt, deine Welt

Amon Marxer,Eschen | 16. Juni 2017

Gleichstellung

Dritter Teil: Kompetenz.
Auf der Internetseite von «Hoi Quote» heisst es zum Wahlergebnis der Frauen bei den Landtagswahlen unter anderem: «An ihrer Kompetenz (...) liegt es sicher nicht, wenn man sich die Frauen ansieht, die es bei den Landtagswahlen 2017 nicht geschafft haben.» Diese und ähnliche Aussagen in Leserbriefen und Zeitungsartikeln kann ich mir nur dadurch erklären, dass die Autoren und Autorinnen wohl noch nie eine Arbeit suchen mussten. Sonst wäre ihnen nicht verborgen geblieben, was offensichtlich ist: Eine Wahl ist ein Bewerbungsprozess. Du bist kompetent? Du hältst dich für kompetent? Freunde und Bekannte halten dich für kompetent – oder sagen es zumindest? Das kannst du alles vergessen. Relevant ist, wie du auf dem Papier aussiehst, also für Leute, die dich nicht kennen. Auf dem Papier kompetent auszusehen, reicht aber nicht. Um erfolgreich zu sein, musst du kompetenter ausse-hen, als die Konkurrenz. Die meisten der Frauen, die zur Wahl standen, erfüllen dieses Erfordernis offensichtlich nicht: Kaum jemand wählt eine Masseurin oder eine Musikerin, wenn auch Anwälte und Ingenieure zur Auswahl stehen. Das ist völlig logisch und nicht weniger fair als andere Bewerbungsprozesse. Erst wenn die Frauen auf den Listen für die Wähler gleich kompetent aussehen wie die Männer, werden wir sehen, ob die viel beschworene Frauenfeindlichkeit überhaupt ein relevanter Faktor ist. Ich glaube es nicht, denn ich halte mich an den Spruch: «Wenn es wie eine Ente aussieht, wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt, dann ist es wahrscheinlich auch eine Ente.» Der Erfolg der beiden Juristinnen deutet für mich eher auf die wahrgenommene Kompetenz als wahlentscheidenden Faktor hin. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Wer ausserordentlich aktiv in Vereinen, Kommissionen, Gemeinderäten etc. ist, erreicht nach Jahren harter Arbeit vielleicht die notwendige Bekanntheit, um es ins Parlament zu schaffen. Eine besonders vermehrungsfreundige Verwandtschaft ist auch kein Schaden. Aber das ist nicht die Regel. Es ist bequem, mit den Schultern zu zucken oder das Wahlergebnis auf die böse, ungerechte Gesellschaft zu schieben. So muss man niemandem weh tun, dessen Unterstützung man vielleicht braucht, und an den Ursachen muss man auch nichts ändern. Über eine widersinnige Quote zu diskutieren, die politisch nicht durchsetzbar ist, oder Frauen auf die Wahllisten zu setzen, von denen man weiss, dass sie nicht gewählt werden, sind nur Alibiübungen. Auch hier scheint es in erster Linie darum zu gehen, wie es aussieht.

Amon Marxer,
Eschen

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