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Leserbrief

Kee-in Menschenrecht auf StarWars?

Amon Marxer,Murasträssle 4, Balzers | 28. Dezember 2015

Umstrittener Kurzfilm

Dass in der Triesenberger Kirche ein Film (Kee-TV) gedreht wurde, der die Gemüter erhitzt, ist nun auch bis zu mir durchgedrungen. Vielen Dank für diesen Beitrag zu unserem kulturellen Erbe. Die Szene mit Bischof Haas hätte man sich zugegebenermassen sparen sollen. Das war eine geschmackliche Verirrung – als solche aber nicht untypisch für die Gegenwartskunst im Allgemeinen. Ohne die Szene hätte der den Bischof verkörpernde Protagonist aber anschliessend auch nicht von den Toten auferstehen können, nur um dann durch einen Blick in eine Landeszeitung erneut den T(omat)od zu finden. Insbesondere bei dieser Szene musste ich schmunzeln, zumal auch ich mich beim Lesen der Landeszeitungen aus Langeweile manchmal dem Tode nahe fühle. Ich verstehe, dass der Film nicht jeden amüsiert hat, aber dass die jungen Leute für ihr Theaterstück zum Thema «Kirche und Staat» eine Kirche als Bühne gewählt haben, ist auch nicht völlig abwegig. Ich persönlich fand weniger den Film als vielmehr die Tatsache amüsant, dass verschiedentlich §189 StGB bemüht wurde. Ich bin ja kein Rechtsanwalt, aber mir scheint auch die Durchführung der Messe im alten Ritus durch den Bischof oder die Veranlassung des Glockenschlags jede Viertelstunde in der Nacht unter den Wortlaut des Artikels zu fallen. Beide Handlungen erregen wohl bei Bürgern berechtigtes Ärgernis und finden in einer Kirche statt. Beim Thema «alter Ritus» ist das lokale Medienecho ja jeweils enorm, und der Glockenschlag mitten in der Nacht hat seit Jahrzehnten – also seit jeder eine Uhr hat – keinen Zweck mehr, ist also eigentlich Unfug. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass dieser überflüssige Artikel kaum zur Anwendung kommt. Ausserdem heisst der Titel des §189 StGB «Störung einer Religionsübung». Zur Zeit des Filmdrehs fand keine Religionsübung statt und der Artikel verlangt, dass die Handlung beziehungsweise der Unfug nicht nur zum Beispiel in einer Kirche betrieben wird, sondern auch dazu geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen. Die Handlung, die in der Kirche stattfand, der Filmdreh selbst, war aber meines Erachtens nicht dazu geeignet, Ärgernis zu erregen, weil keine erregbaren Gemüter anwesend waren. Erst das spätere Bereitstellen des Videos war geeignet, Ärger zu erregen – aber diese Handlung fand ja nicht mehr in der Kirche statt. Deshalb frei nach Meister Yoda (StarWars): Im Dorf lassen die Kirche du musst! Alternativ könnte man sich auch fragen, was Jesus denn getan hätte. Ich vermute, er hätte keine Anzeige erstattet.

Amon Marxer,
Murasträssle 4, Balzers

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