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Leserbrief

Fehlende Sachkenntnis und Beratungsresistenz

Dr. med. Oskar Ospelt,ehem. Landesphysikus;Dr. med. Marco Ospelt;ehem. Landesphysikus-Stellvertreter | 22. Dezember 2015

Polizeiärztlicher Dienst

Mit der eben beschlossenen Verordnung über den ärztlichen Notfalldienst schreibt die Regierung einen unbefriedigenden Zustand fort, den die Ärztekammer durch die Aufkündigung des polizeiärztlichen Notfalldienstes zu beheben hoffte. Es geht konkret nämlich nicht um die harmlose Einweisung eines Patienten in ein Spital bei einer medizinischen Notsituation, zum Beispiel einem geplatzten Blinddarm. Sondern es geht um die Einweisung des Patienten in eine Klinik – meistens in eine psychiatrische Klinik – gegen dessen Willen. Der Patient wird dabei seiner Freiheit und seiner eigenen Willensentscheidung beraubt und unter Zwangsmassnahmen in die Klinik verbracht und dort weggeschlossen. Diese einschneidende Massnahme verlangt neben entsprechender Aus- und Fortbildung auch viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung aufseiten des Arztes, zudem eine gute Vernetzung mit den in diesem Prozess beteiligten Stellen. Selbst wenn man bei allen zur OKP zugelassenen Ärzten die notwendige Aus- und kontinuierliche Fortbildung in diesem Bereich der Sozialpsychiatrie unterstellte, ist es ihnen angesichts der Seltenheit der Ereignisse unmöglich, die nötige Erfahrung im Umgang mit dieser Art von Notfällen zu sammeln. Die Regierung hat mit dieser Verordnung sicher nicht das Wohl des Patienten im Auge. Denn sie weiss, dass sich in letzter Zeit problematische Entscheidungen und darauf folgende gerichtliche Auseinandersetzungen gehäuft haben. Nein, die neue Verordnung der Regierung zum ärztlichen Notfalldienst hat zwei Väter: die fehlende Sachkenntnis und Beratungsresistenz des zuständigen Regierungsrats und das aufgeblähte Gesundheitsamt, das mit zwei angestellten Amtsärztinnen die bisherigen Aufgaben des Landesphysikus nicht übernimmt.


Dr. med. Oskar Ospelt,
ehem. Landesphysikus;
Dr. med. Marco Ospelt;
ehem. Landesphysikus-Stellvertreter

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