Leserbrief

Menschenrechte als gegenseitiger Respekt

Robin Schädler,Stadel 16c, Balzers | 22. Dezember 2015

Umstrittener Film

Menschenrechte basieren auf der Idee, dass wir jeder Person Respekt entgegenbringen. Diesen Respekt muss sich eine Person nicht verdienen und sie kann diesen Respekt auch nicht wieder verlieren. Egal ob weiss oder schwarz, lesbisch oder schwulenfeindlich, gesetzestreu oder kriminell – einem jeden Menschen gebührt ein gewisser Respekt. Welches Verhalten noch respektvoll oder schon respektlos ist, das lässt sich häufig nicht im Vornherein festlegen. Selbst im Einzelfall können unterschiedliche Ansichten vertreten werden, wie aktuell im Fall Kee-TV und ihrem in der Pfarrkirche Triesenberg gedrehten Film namens «Unholy Tomato».
Was die Filmemacher mit ihrem Bezug auf die Meinungsfreiheit verlangen, ist nichts anderes als Respekt gegenüber der Meinung, die sie mit ihrem Film vertreten. Gleichzeitig zeigt der Film die Erschiessung eines Geistlichen in der Pfarrkirche, wobei das Bild des Erzbischofs kurz vor dem Einschlagen der Kugel eingeblendet wird. Eine solche Filmszene ist meines Erachtens respektlos, da bewusst Bezug auf eine reale Person genommen wird. Egal, ob im Film oder im realen Leben – wenn man eine Person tötet, stellt man sich über sie, da man über ihr Leben entscheidet. Man behandelt die Person nicht als vollwertigen Menschen, sondern als etwas Niedrigeres – so wie zum Beispiel in «Unholy Tomato» ein geistlicher Würdenträger als Witzfigur dargestellt wird. Kurz gesagt erstaunt es mich, wenn die Filmemacher Respekt gegenüber ihrem Film einfordern, genau diesen Respekt aber gegenüber dem Erzbischof vermissen lassen.
Die Frage ist jedenfalls nicht, ob man eine solche Szene zeigen darf, denn die Meinungsfreiheit schützt auch eine gewisse Respektlosigkeit, sondern ob man eine solche Szene zeigen soll. Schliesslich fällt der Film in die gleiche Kategorie wie ein kürzlich veröffentlichter Leserbrief von Walter-Bruno Wohlwend. («Volksblatt», 30. November 2015, Seite 6) In diesem vergleicht er die Stimmung gegenüber den Ärzten in Liechtenstein mit dem Holocaust. Damit zieht er ein unbeschreiblich grausames Ereignis ins Lächerliche. Er lässt folglich den Respekt gegenüber den Abertausenden Opfern des Holocausts vermissen. Solche Aussagen darf man aus rechtlicher Sicht tätigen. Ob man sie allerdings auch tätigen soll, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Robin Schädler,
Stadel 16c, Balzers

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