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Leserbrief

Kluft zwischen den Generationen

Damian Becker,Neulerchenfelder Strasse 83/15,Wien, und Vaduz | 17. Dezember 2015

Umstrittener Kurzfilm

Die Diskussion um den Kurzfilm von Kee-TV könnte interessant sein, doch sie ist einschläfernd, denn anstatt sich um den Inhalt zu kümmern, klagen die Kritiker über die Form. «Gewaltfantasien» liest man in der Überschrift eines Leserbriefes, den etliche Liechtensteiner unterschrieben haben. «Pietätlos» in einem Kommentar von Daniel Bargetze, der zu Recht kritisiert, dass das Video keine Diskussion über das Thema Trennung von Kirche und Staat auslöste, ohne aber zu sehen, dass er Mitschuldiger ist. Zu analysieren, was die jungen Herren veranlasste, diesen Kurzfilm zu drehen, wäre wahrscheinlich zu unbequem gewesen. Dann müsste man sich eingestehen, dass offenbar in religiösen und in den damit zusammenhängenden traditionellen Fragen zu relativ weiten Teilen eine Kluft zwischen den Generation in Liechtenstein besteht. Denn sehr viele der jungen Liechtensteiner (die von Daniel Bargetze kurzerhand als «katzenvideoliebendes Milieu» oder «Generation Y» bezeichnet werden) sind atheistisch und sehr religionskritisch, und der konservative Teil des Erzbistums ist bei ihnen sehr unbeliebt. Daraufhin könnte man fragen, wieso Letzteres der Fall ist. Liegt das bloss am allgemeinen Glaubensabfall oder daran, welche Rolle der konservative Teil des Erzbistums bei den Rechten von Homosexuellen und bei der Flüchtlingsaufnahme etc. einnimmt, welche Aussagen ihre Vertreter tätigen und wie sie in ihrer Art hinter dem zweiten vatikanischen Konzil zurückfällt. Solch eine Analyse wäre interessanter, als sich auf die Illegalität des Kurzfilms zu stürzen oder ihm die Kunst abzusprechen. Zum einen hatten viele Kunstwerke in der Vergangenheit ihre Problem mit der Legalität der jeweiligen Epoche, zum anderen hat der Kurzfilm offenbar seine stilistischen Merkmale, gute Bilder und Kameraeinstellungen. Der Regisseur hat hier mitunter mehr Können bewiesen als David Fincher in seinem neusten Film. Also wo liegt das Problem? Bei den «Gewaltfantasien» und bei der Blasphemie? Dann sollten sich die Kritiker ihre Kenntnisse über die Filmkunst auffrischen und sich Filme von Regisseuren wie Luis Bunuel, Stanley Kubrick, Akira Kurosawa, Andrei Tarkowski ansehen. Dann würden sie daran erinnert werden, das Kunst eben Gewalt und Blasphemie beinhalten darf; der Kunst sind eben keine Grenzen gesetzt (künstlerischer Freiheit). Und das wissen alle seit Duchamps Kunstwerk «Fountain» (ein Urinal) von 1917, ausser anscheinend ein gros­ser Teil der Kritiker.

Damian Becker,
Neulerchenfelder Strasse 83/15,
Wien, und Vaduz

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