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Leserbrief

Seid ihr alle da?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 15. Dezember 2015


Volkszählung

Jetzt ist endlich unsere fünfjährige Volkszählung wieder an der Reihe. Und wenn die Zählbogen richtig abgezählt und verteilt sind, heisst es wieder: «Seid ihr alle da?» Was mit einem lautstarken «Ja!» zu beantworten ist. Es ist dann wichtig dass alle da sind, weil wenn nicht alle da sind, dann kann nicht gezählt werden. Und wenn alle da sind, müsste gar nicht gezählt werden. Saublöd wenn zu viele da sind, denn dann kommt die Frage, wohin mit dem Überschuss. Und noch dümmer, wenn zu wenige da sind. Woher nehmen und nicht einbürgern?
So eine Volkszählung beinhaltet ja nicht nur das Abzählen der Menschen. Es gilt auch herauszufinden, wer mit wem und wann und warum und überhaupt. Gezählt wird, um die Gewissheit zu erlangen, dass die Bewohner dieses Landes die Gewissheit haben können, dass sie gewissenhaft geprüft und für gut befunden sind. Und es fällt wie Suppe von den Augen, dass das Zählen in unserem Lande streng genommen zu den Grundwerten unserer Gesellschaft gehört. Zählen als staatliches Instrument und Fundament. Da werden dort an der Quelle, gar am Jungbrunnen liechtensteinischen Intellekts, am Campus Synapsus periodisch die Studenten abgezählt und wehe es fehlt einer. Oder es sind nicht alle da. Oder es sind noch mehr da wie eigentlich da sein wollten. Oder es sind Minustypen darunter, die im Plus gar nicht erscheinen.
Stolz können wir «Hiesigen» ja auch auf die enorme Zählleistung der Curta-Rechenmaschine hinweisen, die wie kein anderes technisches Instrument die handwerklichen Fähigkeiten Unterländer Bauernlackel zu manifestieren vermochte, welche in kurzer Zeit von Kuhschwanzaufbindern zu Meistern an Drehbank und Fräsmaschine zählten.
Das Erlangen der Zählsicherheit übten früher die Kinder am einfachen Zählrahmen. Da wurden die zehn Holzkugeln auf den Eisenstangen mal links, oder rechts geschoben. Modelle für die intelligente Oberschicht hatten zehn Zeilen, jene für die Unterschicht, sowie für angehende Politiker nur deren fünf. Diese Ansicht könnte der Umstand erhellen, wenn nun bald einmal auf den Landtagsplätzen am runden Tisch hinten vor den Abgeordneten der Freilistigen Zählrahmen aus Holz mit farbigen Kügelchen stehen.
Eine blaue Kugel für Harry, gelb Herbert, grün Erich, schwarz Pio und rot für Thomas. Und wenn einmal einer fehlt, dann beginnt ein frohes Klappern und Kugelschieben. Dann werden die Kugeln so lange hin und hergeschossen bis auch ohne Multiplikation ein Erfolg versprechendes Ergebnis auf den Stangen steht.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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