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Leserbrief

Die Elenden

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 11. Dezember 2015

Umstrittenes Video

Aus dem Füllhorn der Güte schickt uns der Himmel die Erlösung. Kurz vor dem Schliessen der kranken Wahllokale erscheint die ersehnte neue Sau am Horizont. Und schon nächste Woche wird diese durch das Dorf rennen und die Rettungspläne des Gesundheitsministers werden auch schon wieder Geschichte sein. Die Elenden, die Kranken und die Darbenden werden ihre alten Krücken noch weiter schleppen müssen und die Götter in Weiss werden sich die Stöpsel ihrer Stethoskope wohllüstern noch tiefer in ihre grossen Ohren stecken.
Da haben ein paar Lausbuben in der Berger Kirche «Charly Hebdo» und grosse weite Welt spielen wollen. Gar wollten sie ihren Beitrag zur Aufklärung, zur Rettung der Menschen beitragen und der Satire, der Kunst und der Freiheit, oder was auch immer, neue Impulse verleihen. Durch Mangel an Mut und Grösse dieser Buben verkrochen sie sich vorsichtshalber nicht in die Kirche Notre Dame in Paris, sondern ausgerechnet in jene der freien Walser in Triesenberg. Und damit kein Odeur aus hosenfüllendem Dünnpfiff die mutigen Knaben umhüllen konnte, mussten Bischof Haas anstatt Mohammed und das christliche Kreuz anstatt des isla-mischen Halbmonds herhalten. Was für eine heroische Heldentat.
Doch die freien Walser sollten sich von solchem Dummzeug nicht einschüchtern und beeindrucken lassen und diese feigen Trittbrettfahrer vom Wagen stossen. «Rein im Klang, treu im Wort, freie Walser immerfort» – ruht auf einem anderen, einem sinnhaft prägenden und tragenden Fundament, und nicht auf hohlen Tomatengrinden. Diese Werte sind in Schweiss, Mühsal, Gottesfurcht und auch Gottvertrauen entstanden und nicht in YouTube Lausbubenköpfen.
Aber vielleicht haben diese Satirebuben erkannt, wie dünn es um unseren Staat, wenn man diesen Zustand der Verelendung überhaupt so nennen will und um unsere Werte bestellt ist. Ein Filmchen auf YouTube, ein in die Enge getriebener Vorsteher und schon ist der Polizeistaat in höchster Alarmbereitschaft und die Richter des Landes blättern auch schon in Gesetztesbüchern nach Gesetzesleeren zur Verurteilung.
Die früher eigene Gerichtsbarkeit der freien Walser hätte für solch dumme Streiche eine geeignetere Handhabe gehabt. Da sich die Buben offensichtlich um die Trennung von Kirch und Staat Gedanken machen, sollte man annehmen dass sie zumindest die zehn Gebote auswendig können. Wenn nicht, dann hätten die alten Walser zur Strafe für jeden ein paar Ohrfeigen, Hosenspanner und drei Sommer Geissen hüten im Branntawintobel angeordnet.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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