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Leserbrief

Gotteslohn

Hansjörg Marxer,Bödastrasse 15, Triesenberg | 3. Dezember 2015

KVG-Abstimmung

Eigentlich wollte ich mich an die Gegner der KVG-Revision wenden, dem Anschein nach vornehmlich ältere Mitbürger. Aber wer sich von den Argumenten der «fL21» überzeugen lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.
Deshalb wende ich mich an die jüngeren unter euch, die ihr vielleicht wenig motiviert seid, zur Wahl zu gehen. Also. Euch wird es später nie so gut gehen, wie den heutigen Pensionisten. Ihr werdet um Jahre länger arbeiten müssen und währenddessen einen höheren Anteil eures Lohnes in die AHV einzahlen, als es die heutigen Pensionisten getan haben. Wenn ihr Zeitung lest, wisst ihr, dass die AHV-Revision bereits in Arbeit ist, weil auch sie notwendig ist. Das Rentenalter steigt. Die Beiträge steigen. In etwa 15 Jahren kommt die nächste Erhöhung, weil die Bevölkerungsentwicklung nur eine Richtung kennt. Ihr dürft froh sein, wenn ihr mit 67 oder 68 aus dem Arbeitsleben ausscheiden werdet dürft.
Nicht nur deshalb, sondern insbesondere auch wegen der Kosten unseres Gesundheitssystems wird es euch schlechter ergehen – aber ihr könnt entscheiden, wie viel schlechter und wie schnell. Aber nur, wenn ihr zur Wahl geht. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Fast die gesamten Einnahmen aus der Vermögens- und Erwerbssteuer, 72 Millionen pro Jahr, leiten wir in unser Gesundheitssystem. Das tut die Schweiz nicht. Zudem zahlt bei uns der Arbeitgeber einen Beitrag, der der Hälfte des Landesdurchschnitts der Prämien entspricht, also 166.50 Franken für Erwachsene. Auch das gibt es in der Schweiz nicht. Trotzdem sind dort manchenorts die Prämien offenbar niedriger als bei uns. Kein Wunder, denn Liechtensteiner (8) konsultieren den Arzt im Durchschnitt mehr als doppelt so oft wie die nicht minder gesunden Schweizer (4). Das sind 4 unnötige Arztbesuche pro Liechtensteiner pro Jahr. Man muss nicht das hellste Lämpchen am Weihnachsbaum sein, um zu begreifen, dass das auf Dauer nicht zu finanzieren sein wird. Nur eine Erhöhung der Kostenbeteiligung löst das Problem, denn es ist ein Motivationsproblem.
Da der grösste Teil der Kosten bei Älteren anfällt, nützt es auch nichts, nur die Kostenbeteiligung der Jüngeren zu erhöhen. Auch die Rentner müssen dazu motiviert werden, nicht mehr doppelt so oft wie nötig den Arzt zu konsultieren. Der Gesundheit ist das nicht abträglich, wie der Blick in die Schweiz zeigt. Ihr müsst also keine Angst um eure Eltern oder Grosseltern haben. Trotzdem. Statt per Gesetzesinitiative nachträglich gezielt ein paar Änderungen vorzunehmen, wollen einige unter uns die KGV-Revision als Ganzes in die Tonne treten. Stillstand.
Mi hebts no uus bzw. nach mir die Sintflut: Dieser Mentalität gilt es entgegenzutreten. Wählt. Bitte.

Amon Marxer
Murasträssle 4, Balzers

«Die Revision des KVG hat das Ziel, den Staatsbeitrag an die Krankenversicherung markant zu reduzieren.» Dieser Satz ist ein Zitat aus dem Koalitionsvertrag zwischen FBP und VU (nachzulesen unter www.fbp.li, Download, Koalitionsvertrag, Seite 10). Darum also setzen sich beide Parteien auf Teufel komm raus für dieses neue KVG ein. Nicht weil das neue Gesetz irgendeinen Franken sparen würde, davon sind wir meilenweit entfernt, das wissen beide Parteien. Nein, es sind die Fesseln dieses Koalitionsvertrags, die nun die Parteioberen zwingen, mit einem lauten Halali gemeinsam durchs Land zu ziehen. In der Koalitionserklärung wird offen zugegeben, um was es bei der KVG-Revision wirklich geht: «Um eine markante Senkung des Staatsbeitrags.» Und dafür gibt es nur einen Grund. Die Sanierung des Staatshaushalts, zulasten des Bürgers. Darum ein klares Nein gegen dieses seit Wochen andauernde Dummverkaufen des Volkes. Wir haben einiges einstecken müssen die letzten Tage. Allen, die uns bei diesem ungleichen Kampf unterstützt haben, ein ganz herzliches Dankeschön.

Karl Jehle, «fL21»,
Runkelsstrasse 29, Triesen

Diese Woche debattiert der Landtag über die AHV. Gemäss Regierung soll die AHV langfristig gesichert werden. Gleichzeitig schlägt sie dem Landtag aber vor, rund 30 Millionen Franken weniger Staatsbeitrag zu zahlen. Langfristige Sicherung der AHV klingt anders. Sie ist im Übrigen auch kein Sanierungsfall. Es geht einmal mehr nur um die Sanierung des Staatshaushalts. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) lässt grüssen. Die 30 Millionen, die der AHV dann fehlen, muss wieder der Bürger, der Mittelstand, aufbringen. Über höhere Beiträge, längere Beitragsjahre etc. Dieses Mal vorzugsweise halt eher die Jüngeren von uns, die noch im Berufsleben stehen. Anstatt endlich ein faires Steuergesetz vorzulegen, wird den unteren Einkommensschichten und dem Mittelstand immer noch mehr Geld aus der Tasche gezogen. Es ist Zeit, das zu ändern! Der Beginn dazu ist ein Nein zum neuen KVG!

Jimmy Vogt,
Brüelweg 11, Balzers

«Chronisch Kranke sind von der Kostenbeteiligung befreit und werden von der erhöhten Kostenbeteiligung nicht betroffen sein, profitieren aber von einer Prämienreduktion»: Was sehr verlockend klingt, ist für viele chronisch Kranke eine schallende Ohrfeige! Ich selbst leide (unverschuldet) an zwei chronischen Krankheiten, welche mich dazu zwingen, regelmässig verschiedenste Ärzte zu konsultieren und Medikamente zu schlucken. Heilung ist zumindest für eine Krankheit nicht in Sicht. Leider sind beide Krankheiten nicht gelistet, sodass ich keineswegs von einer Kostenbefreiung profitiere. Ich zahle also die volle Kostenbeteiligung. Das heisst mit dem neuen Gesetz 1400 Franken jährlich. Genauso geht es vielen chronisch Kranken, denn die Liste der chronischen Krankheiten, die zur Befreiung der Kostenbeteiligung führt, ist sehr überschaubar (auf lkv.li unter Service/Formulare). Von dieser von der Regierung so angepriesenen Kostenbefreiung profitiert nur ein kleiner Anteil der chronisch Kranken. Die KVG-Revision hat eine Riesenchance verpasst, die Situation für chronisch Kranke endlich zu verbessern. In Wahrheit werden sie abgestraft.
Die Politik sagt mir, ich soll mehr Eigenverantwortung übernehmen und nicht ständig zum Arzt rennen. Wie soll das in meiner Lage gehen? Das ist blanker Zynismus. Bei dieser Revision hatte ich nie das Gefühl, dass es um den Menschen geht. Umverteilen, abstrafen, gesund sanieren, sanktionieren sind die Wörter, die ich mit dem neuen Gesetz in Verbindung bringe. Und der millionenschwere Rückzug des Staates, zulasten des Mittelstands, der Kranken, der Senioren und nicht zu guter Letzt auch der noch vermeintlich Gesunden. Leider kann Krankheit nämlich jeden treffen. Und hat man nicht das Glück, schnell wieder gesund zu werden, ist man chronisch krank und wird so über Jahre und Jahrzehnte körperlich, seelisch und finanziell sehr schwer getroffen. Das neue KVG ist ungerecht. Gründe genug für ein klares Nein zu einem Gesetz, dass sich im Krankheitsfall gegen uns alle richtet.

Gratia Schatz,
Oberfeld 92, Triesen

Einmal mehr macht die falsche Behauptung, Frau Dr. Ruth Kranz habe ein Einkommen von 250 000 bis 300 000 Franken als «Gotteslohn» bezeichnet, die Runde. Diese böswillige Unterstellung geht auf eine unrichtige Gesprächswiedergabe von Wendelin Lampert zurück. Das Zitat ist nicht zutreffend. Vor etwa drei Jahren hat in meiner Praxis ein Gespräch stattgefunden, in dessen Verlauf sich Wendelin Lampert und ein Fraktionskollege von ihm bei Vertretern der Leistungserbringer über einige Grundsätze unseres Gesundheitswesens informiert haben – im Fall von Wendelin Lampert leider ohne Erfolg. Wenn nun immer noch behauptet wird, dass Frau Dr. Kranz bei dieser Gelegenheit diese Aussage gemacht habe, stimmt das nicht. Eine Behauptung gewinnt keinen Wahrheitswert, wenn sie immer wieder aufgestellt wird.

Hansjörg Marxer,
Bödastrasse 15, Triesenberg

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