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Leserbrief

Endstation Dorfplatz Eschen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 1. Dezember 2015

Haus der Gesundheit

Schon von Weitem sticht das neue Haus der Gesundheit, das die Blickachse in Richtung St. Martins Kirche berücksichtigt, durch seine, als durchdringendes Relief ausgearbeitete, Rasterfassade ins Auge. Die weiss leuchtende filigrane Ornamentblende durchschneidet die Fassade durch ihre ausgewogen geometrische Detaillierung und entpuppt sich als Kleinod architektonischen Feinsinns. Im Zusammenspiel mit den zurückversetzten Fenstern werden sie zum architektonischen Bedeutungsträger und Brückenschlag zu neuem Architekturverständnis. Gleichsam erhascht das Gebäude den Kontext als Eingangstor zum Dorfplatz. Die dominante Ausformung der langestreckten Säulen Parallaxe auf dem Postament ruhend, durchdringt als offene Kolonnade den Besucher und verleiht gleichsam dem Platz eine hofartige, peristyle Zäsur – so die Sprache des Architekten.
Dieses Architektenklump, das sich rotzfrech und überheblich auch noch Haus der Gesundheit zu nennen wagt, zeugt von der Fantasie-brache derer und lässt erkennen, dass heutige Architekten ohne Computerprogramme in vollständiger Dumpfheit und Tristesse versimpeln und veröden müssten. Schon nach 14 Jahren musste man die Post, ihr letztes, hochgelobtes Kunstwerk und Meilenstein der Architektur, wie sie es damals arrogant nannten, praktisch und faktisch entsorgen. Eine Schande für den Namen Architektur, die Auftraggeber und vordringlich für die Evolution. Von dem kuriosen Architektenuniversitätlein in Vaduz gar nicht zu reden – so die Sprache der Steuerzahler.
Das neue Haus der Gesundheit ist dahingehend bedeutungsvoll, dass es quasi den Deckel zu jener Urne versinnbildlicht, zu welchem das Eschner Dorfzentrum unter hohlen Architektenhirnen verkommen ist. In diesem Hause kann sich der Bürger, wenn er sein Dahinsiechen in dieser Schreckensurbanität noch etwas verlängern will, seine Medizin abholen, und sich alsbald in den oberen Etagen dieser weissgetünchten Architekturvertrottelung mit Blick auf den Friedhof, auf den Abschied von diesem Geisteszerfall vorbereiten. Dieser farb- und geistlose Platz ohne Leben, ohne Aufregung ohne irgendetwas Besonderes, eingerammt vom Gemeindehaus, in welchem der Bürger zeitlebens bevormundet, überwacht und gesteuert wird. Beplankt von einer seit Jahrzehnten toten Modertaverne und der Kirche, in welcher er seine Sühne erfrischen kann und sich für seine Sünden schämen darf, um alsbald hinter der Friedhofsmauer von seinem Elend erlöst zu werden – so die Sprache des erfahrenen Bürgers.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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