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Leserbrief

HIV-Prävention intensivieren

Fachstelle für Sexualfragen und HIV-Prävention (fa6) | 1. Dezember 2015

Welt-Aids-Tag

Am 1. Dezember wird seit 1988 der Welt-Aids-Tag begangen. Der Name wurde beibehalten, obwohl es heute weniger darum geht, an Aids erkrankten Menschen zu helfen, sondern durch dauerhafte Präventionsmassnahmen die Zahl von HIV-Neuinfektionen zu minimieren.

In den 1980er-Jahren erkrankten die allermeisten Leute, die sich mit dem HI-Virus infiziert hatten, schon bald an Aids und verstarben grösstenteils innerhalb von etwa zwei Jahren. Seit Mitte der 1990er-Jahre stirbt man an einer HIV-Infektion nicht mehr, wenn diese rechtzeitig erkannt und richtig behandelt wird. Dank grosser medizinischer Fortschritte bedeutet HIV-positiv zu sein nicht mehr, bald sterben zu müssen. Die HIV-Infektion ist damit eine chronische Krankheit – nicht heilbar, aber wirksam behandelbar. Die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen ist heute gleich wie diejenige im Bevölkerungsdurchschnitt.
Von daher gesehen, wäre es vielleicht an der Zeit, den Welt-Aids-Tag in Welt-HIV-Präventionstag umzubenennen, ähnlich wie vielerorts die ursprünglichen Aidshilfen in Fachstellen für sexuelle Gesundheit oder HIV-Prävention umbenannt wurden, denn der Schwerpunkt liegt seit geraumer Zeit auf der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
In den letzten Jahren wurde die Präventionsarbeit wieder schwieriger. Solange eine HIV-Infektion praktisch einem Todesurteil gleichkam, weil die daraus resultierende Aidserkrankung nicht geheilt werden konnte, spielte die Angst vor dem Tod eine wesentliche Rolle in der Prävention von Neuinfektionen. Viele Menschen praktizierten nicht nur Safer Sex (Sex nur mit Kondom), sondern passten auch ihr Sexualverhalten der Bedrohung an. Die medizinischen Fortschritte bzw. sie Wirksamkeit der Medikamente, die eine HIV-Infektion zu einer chronischen Erkrankung machen, haben inzwischen die Leute wieder unvorsichtiger werden lassen. Umfragen und Studien in benachbarten Ländern haben gezeigt, dass die Partner wieder häufiger gewechselt werden. Unter Einfluss der allgegenwärtigen Pornografie verbreiten sich auch risikoreiche Sexualpraktiken wie Analverkehr.
Die Informationen, die der Fachstelle für Sexualfragen und HIV-Prävention, fa6, vorliegen, lassen den Schluss zu, dass heute in Liechtenstein die 40- bis 50-jährigen Heterosexuellen, Männer wie Frauen, die am meisten gefährdete Bevölkerungsgruppe sind. Wer genau in dieser Altersgruppe die besonders Gefährdeten sind, lässt sich nicht so leicht sagen, wie z. B. in den 1980er-Jahren die Drogensüchtigen als Zielgruppe für die Präventionsarbeit identifiziert werden konnten. Die HIV-Prävention steht vor einer neuen Herausforderung.

Fachstelle für Sexualfragen und HIV-Prävention (fa6)

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