Leserbrief

Ächtung einer engagierten Persönlichkeit

Hansjörg Marxer,Bödastrasse 15, Triesenberg | 1. Dezember 2015

KVG-Abstimmung

Mit einem «Ja» zur KVG-Revision können wir vermeiden, dass Ärzte den Krankenkassen und dem Volk 8000 Stunden pro Jahr verrechnen. Mit einem «Ja» wird dem Trend vorgebeugt, dass Menschen mit einem verstauchten Finger fünf Mal zum Arzt gehen und die Allgemeinheit dafür bezahlt. Mit einem «Ja» wird das Tarifsystem Tarmed und somit Transparenz und Vergleichbarkeit eingeführt. Mit einem «Ja» führen wir einen flexiblen Taxpunktwert ein, was helfen wird, Kosten zu senken. Mit einem «Ja» kann vor allem der Mittelstand und die jüngere Generation weiterhin mit einem erstklassigen und auch bezahlbaren Gesundheitswesen rechnen. Ein «Ja» heisst, die jüngere Generation hilft der älteren Generation. Ein Nein zur KVG-Revision ist Quacksalberei!

Harry Quaderer,
DU-Fraktionssprecher, Schaan

Wir haben unser Bürgerrecht wahrgenommen, mit einem Referendum Stopp zu sagen. Stopp zu einem Gesetz, dass im Grundsatz gegen uns gerichtet ist. Die Menschen werden beschuldigt, zu viel zum Arzt zu rennen. Mit einer Erhöhung der Selbstkosten auf 1400 Franken sollen erwachsene Menschen über den Geldbeutel erzogen werden. Für die Staatshaushaltssanierung wird der Mittelstand seit Jahren zum Aderlass gebeten: Steuergesetz, Stipendienkürzungen, Gebührenerhöhungen, Busabo, AHV und, und, und. Wehtun müsse es, hiess von Seiten der Regierung. Wir sagen, die Schmerzgrenze ist erreicht! Darum ein klares Nein zu diesem KVG. Meinen Mitstreitenden und mir war es ein Anliegen, jenen Menschen eine Stimme zu geben, für die Ende Monat jeder Franken zählt. Ohne die grosse Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger wäre dieses Referendum nicht möglich gewesen. Dafür allen ein herzliches Dankeschön.

Walter Noser, Gruppe «fL21»,
Floraweg 17, Vaduz

Sowohl Leistungsbezieher als auch Leistungserbringer müssen ihre Beiträge zur Reduktion der steigenden Gesundheitskosten leisten. Es geht nicht nur um viel Geld, sondern auch um die Erhaltung unserer Gesundheit.
1) Wo kann man die meisten Unterschriften sammeln? In den Praxen natürlich, wo die Unterschriftenbögen auflagen. Ist schon komisch, weil die Ärztekammer behauptete, sie haben mit dem Referendum nichts zu tun. Werden hier nicht die Ängste der Patienten ausgenutzt?
2) Was ist daran falsch, wenn ich Eigenverantwortung übernehmen möchte – sei diese in Form von höherer Franchise und höherem Selbstbehalt. Oder einfach, weil ich über die Ursachen und Behandlungen verständlich aufgeklärt werden möchte? Oder weil ich wissen möchte, warum ich die Medikamente nehmen muss, wie lange und welche Neben- und Wechselwirkungen sie haben? Gerade die Ärzte wissen (oder sollten es wissen), dass zu viele Medikamente (mehr als 5) krank machen und nicht gesund?
3) Ist es normal, dass ältere Patienten täglich bis zu 20 verschiedene Medikamente schlucken müssen, was früher oder später einen Spitalaufenthalt nötig macht?
4) Was ist daran falsch, wenn ich die Rechnungen der Ärzte kontrollieren möchte (z. B. verrechnete Konsultation ohne meine Anwesenheit)?
5) Was ist daran falsch, wenn Ärzte auch kontrolliert und gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen werden? Patientenorientierte Ärzte haben doch nichts zu befürchten.
6) Warum muss ich solidarisch die hohen Kosten, die einige Ärzte verursachen, mitfinanzieren, denen nicht einmal gekündigt werden kann? Wo bleibt die Solidarität der Ärzteschaft?
7) Warum haben wir so viele Ärzte und Spezialisten inkl. voller Medikamentenschränke?
Es ist immer dasselbe: Je mehr Ärzte, desto mehr Kranke durch Überdiagnosen, Übertherapien und Übermedikation.
Ich möchte, dass die zukünftige Generation die Prämien noch bezahlen kann und auch gesund bleibt, ohne ständige Arztbesuche und Unmengen von Medikamenten. Ich möchte auch nicht im Altersheim – dank den vielen Medikamenten – «dahinvegetieren», sondern «gesund» und in Würde sterben. Schliesslich ist Altwerden keine Krankheit.
Die KVG-Revision mag nicht optimal sein, ist aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, darum ein Ja von mir.
Wie hat schon Medizintheoretiker Murphy so schön gesagt: «Gesund ist eine Person, die nicht ausreichend untersucht wurde.»

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

Gerade für uns Senioren, Eltern und Grosseltern waren die letzten Tage nur schwer zu ertragen. Wir wurden als «Kostentreiber» und «Kostenfaktoren» bezeichnet. Wörter, die man bis jetzt nur aus der Wirtschaftswelt kennt. Es ist für uns alle eine Herausforderung alt zu werden, aber wenn man zusätzlich das Gefühl bekommt, als sogenannter «Risikofaktor» der Gesellschaft auch noch finanziell zur Last zu fallen, oder wie in Leserbriefen erwähnt «auf Kosten der Jungen zu leben», dann wird es unerträglich. Über Jahrzehnte waren wir Senioren gern gesehene Prämienzahler. Im Alter, wo wir eventuell vermehrt auf Hilfe angewiesen sind, werden wir plötzlich zu «Kostentreibern». Ich finde das beschämend und möchte dieses Gefühl der nächsten Generation – unseren Kindern – gern ersparen. Darum ein klares Nein gegen das KVG! An dieser Stelle möchte ich jedoch allen, die sich täglich für die älteren Menschen einsetzen, ein ganz herzliches Danke sagen!

Christl Gstöhl, «fL21»-Mitglied,
Rofenbergstrasse 42, Eschen

Der Frontalangriff gegen Frau Dr. Ruth Kranz vom letzten Freitag ist wie ein Eiterpickel auf der Nase: unnötig und hässlich. Frau Dr. Kranz ist eine engagierte Ärztin, die neben ihrer Praxis noch Zeit findet, sich für ihren Berufsstand einzusetzen. Ich unterstelle niemandem, instrumentalisiert worden zu sein, wie das Dr. Pedrazzini gerne macht. Ich stelle allerdings die Frage, woher die Informationen stammen: Das Verhältnis Anwalt-Klient ist vertraulich und ich gehe davon aus, dass ausser im LKV und im Ministerium für Gesellschaft niemand informiert ist, wer Frau Dr. Kranz anwaltlich vertritt. Herr Dr. Pedrazzini hat kürzlich den parteiübergreifend geachteten Altlandtagspräsidenten und erfahrenen Anwalt Dr. Peter Wolff mit der Aussage, sein Gutachten für die Ärztekammer sei ein bezahltes Gefälligkeitsgutachten, beleidigt. So muss sich neben dem LKV auch das Ministerium die Frage gefallen lassen, woher der Leserbriefschreiber sein Wissen haben könnte. Sowohl Dr. Wolff wie Heinz Vogt werden deshalb an den Pranger gestellt, weil sie mit Frau Dr. Kranz von Berufes wegen zusammenarbeiten. Die Botschaft des Angriffes vom Freitag ist eine Warnung an alle: Wer nicht auf die nötige Distanz zu Frau Dr. Kranz achtet, wird ebenfalls geächtet!
Dr. Pedrazzini hat schon mehrfach gesagt, dass er nur eine Periode dem Ministerium vorstehe – er ist also eigentlich schon heute lediglich eine Episode in unserer Gesellschaftspolitik. Falls seine Gesetzesrevision vom Volk angenommen werden sollte, dürfte es bis zum Amtsantritt des nächsten Regierungsrats der Bevölkerung und der Politik klar sein, dass die heutige KVG-Revision ihre Ziele verfehlt. Einmal mehr wird dann ein neuer Regierungsrat eine «grosse KVG-Revision» ankündigen – es ist zu hoffen, dass dann alle Betroffenen korrekt einbezogen werden.

Hansjörg Marxer,
Bödastrasse 15, Triesenberg

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