Leserbrief

Damaskus liegt zwischen Triesenberg und Vaduz

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 25. November 2015

Chance dank LISD

Der ISIS eroberte August 2013 Raqqa, eine Stadt in Syrien mit etwa 220 000 Einwohnern, und verblieb seitdem als der einzige Bürgerkriegsgegner, den Präsident Baschar al-Assad ernst nehmen konnte. Das Liechtensteinische Institut für Selbstbestimmung an der Universität Princeton (LISD) veranstaltete Mitte November 2013 ein Seminar in Triesenberg über die Krise in Syrien. Was sich aus den Beratungen damals als notwendig ergab, um der Weltkatastrophe, die sich in Syrien heraufzüchtete, zu entrinnen, setzten jedoch weder die USA noch die EU in Taten um. Ihre Strategie lag hingegen darin, darauf zu warten, dass der ISIS Assad stürzen würde, um erst dann diesem Einhalt zu gebieten. Der Krieg verlief jedoch anders. Saudi Arabien und Katar stärkten einerseits stets den ISIS (Islamischen Staat) mit den besten Waffen und Unsummen Geld, auch wenn, um die USA und die EU nicht vor den Kopf zu stossen, die Saudis Flugangriffe gegen ihre ISIS-Glaubensbrüder fingierten.
Assad hielt sich andererseits zäh an der Macht, aber seine Truppen konnten trotz iranischen Beistands weder den Krieg für sich entscheiden noch den verlorenen Grund zurückgewinnen. Die Ausweglosigkeit bewegte Russland aus Eigenschutz dazu, massiv am Konflikt teilzunehmen, um den ISIS militärisch zu schlagen und auszuradieren. Damit kooperierten Iran und Hisbollah auf dem Boden. Die Ergebnisse liessen nicht lange auf sich warten.
Diese Ergebnisse verschlimmern aber noch mehr durch neue Zugänge die bereits verzweifelte Situation der Flüchtlingslager und zwingen ihre Insassen dazu, nach Nordeuropa zu fliehen.
In die Enge getrieben, spielt der ISIS seine letzte Karte, einen aggressiven Rückzug, und sendet Selbstmordkommandos auch nach Nordeuropa. Ihr erster Grossanschlag findet in Paris am 13. November statt. Die USA und die EU wissen keinen Rat; die Flüchtlingslawine überrollt jedoch nur Europa, sodass die Interessen der USA und der EU divergieren. Die EU-Verteidigungsminister überlegen sich, den NATO-Bündnisfall auszurufen; die USA-Vertreter sträuben sich dagegen.
Der Direktor des LISD in Princeton, Prof. Wolfgang Danspeckgruber, hielt am 17. November einen Vortrag «Syrien (b)rennt» an der Universität Liechtenstein in Vaduz. Bei der Diskussion stellte es sich heraus, dass das Triesenberg-Seminar im November 2013 alle Fragen, die jetzt der EU ein Kopfzerbrechen bereiten, ausführlich beantwortet hatte. Das LISD bot ein Fazit der Tagung im Internet schon März 2014 an: http://tinyurl.com/na4kfyg.
Vertreter Deutschlands, Russlands, Syriens, des Vatikans und der Orthodoxen Kirche verliehen dem Triesenberger Treffen nicht nur Relevanz, sondern auch völkerrechtliche Verbindlichkeit. Im November 2015 liegt Damaskus immer noch zwischen Triesenberg und Vaduz. Daraus ergibt sich eine einmalige Chance für Liechtensteins Aussenpolitik, eine Friedensinitiative mit Unterstützung des LISDs zu lancieren. Der Vatikan, Princeton und Georgetown werden das Vorhaben begrüssen und diesem beistehen.
Mit freundlichen Grüssen

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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