Leserbrief

Eine lohnende Investition in unsere Zukunft

Liechtensteinische Gesellschaftfür Umweltschutz, LGU | 20. November 2015

Rheinaufweitung

Einst durchfloss der natürliche Alpenrhein unseren Talboden in mehreren Haupt- und Nebenarmen auf einer Breite von mehreren Hundert Metern. Auf der Höhe von Balzers beanspruchte der Wildfluss für seinen Weg gegen Norden gar über einen Kilometer unseres Talraumquerschnittes. Gewässertypisch für den ursprünglichen Alpenrhein war sein verzweigtes Flussbett mit strukturreichen Haupt- und Nebenarmen sowie grossflächigen, teil-weise bewachsenen Kiesbänken. Gesäumt war dieser Alpenrhein, den wir aus alten Schriften, Karten und Gemälden kennen, von grossen Auwäldern und Feuchtgebieten. Für Menschen, Nutztiere und Feldfrüchte war er Gewinn und Bedrohung gleichzeitig. Gewinn deshalb, weil der Fluss Ursache für die Fruchtbarkeit der Böden sowie den Fisch- und Wildreichtum war. Bedroht waren Siedlungen und Ackerland durch die unkontrollierten Fluten. Heute ist am Alpenrhein nichts mehr natürlich. Mit der Eindämmung in das sehr enge Flussbett wurde zwar die Gefahr gebannt, aber zeitgleich auch der Lebensraumvielfalt ein Ende gesetzt. Nur noch sehr kleinräumig, etwa auf der Höhe von Mastrils oder rechtsseitig zwischen Fläsch und Balzers treffen Land- und Wasserlebensraum in einer naturnahen Uferlinie aufeinander. Wer diese Kleinode kennt, weiss, dass sie nicht nur eine vergleichsweise vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beheimaten, sondern auch viele Erholungssuchende und «Freizeitler» anziehen. Dort beherrschen nicht gerade und harte Grenzlinien, wie Dämme, Blockwurf oder geteerte Wege das Bild, sondern Sand- und Kiesflächen, Auwälder und Tümpel. Offensichtlich lädt diese Vielfalt Gross und Klein zum Beobachten, Verweilen und Entspannen ein.
Unser Alpenrheintal ist eine aufstrebende Wirtschaftsregion, Arbeits- und Wohnort für immer mehr Menschen. Innerhalb der ausgeschiedenen Bauzonen gibt es in Liechtenstein Platz für rund 100 000 Menschen. Während auf der Schweizer Seite des Rheins den Zersiedelungstendenzen entgegengewirkt wird, sind bei uns noch kaum raumplanerische Massnahmen erkennbar. Immer mehr Lebensräume werden zerstückelt und verschwinden irgendwann ganz. Diese Räume fehlen nicht nur den Tieren und Pflanzen, sondern auch uns Menschen. Wir brauchen naturnahe Erholungsräume in unserer beschleunigten Welt und wir brauchen die Vielfalt, denn sie ist unsere Lebensgrundlage. Es ist wichtig, heute darüber nachzudenken, ob nicht die Freihaltung von Gewässerräumen und kleine Aufweitungen am Alpenrhein eine äus­serst lohnende Investition in unsere Zukunft sind.

Liechtensteinische Gesellschaft
für Umweltschutz, LGU

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