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Leserbrief

Bei chronisch Kranken hört der Spass auf!

Walter Noser für «FL21»,Floraweg 17, Vaduz | 18. November 2015

KVG-Abstimmung

Am Samstag wollte uns Daniel Bargetze im «Vaterland» vermitteln, dass die Bilanzen der AGs im Handelsregister für jedermann einsehbar sind und man sich so Einblick in die Geschäfte bestimmter Ärzte verschaffen kann. Dann folgt unter dem provokativen Titel «Ärzte AG mit 1 Mio. Bilanzgewinn» sein ausführlicher Artikel.
Ich frage mich ernsthaft: Was soll das? Wissen kann ich es nicht, also bleibt mir und jedem Leser nur die Spekulation. Was ich allerdings weiss, ist, dass ich es unglaublich perfide finde, wie damit manipuliert und einmal mehr der Ärztestand diskreditiert wird. Es gibt wilde Vermutungen, wer diese Ärzte-AG ist, es beeinflusst einen Teil der Bevölkerung vor der Abstimmung betreffend KVG-Revision. Vielleicht sollte jeder Arzt seine Bilanz im Wartezimmer aufhängen, da es ja anscheinend so eminent wichtig ist, was der Arzt verdient, beziehungsweise er verdient ja anscheinend viel zu viel.
Das sind Wildwestmethoden mit Kalkül. Offenbar scheint den Zeitungen jedes Mittel recht, um Misstrauen und Neid zu schüren bis zur Verunsicherung des Volkes und Beleidigung der Ärzte.
Jeder darf über solche Bilanzzahlen denken, was er mag, interessant ist nur, dass es wiederum die Ärzte trifft. Eine Berufsgruppe, die dem Patienten gegenüber höchste Verantwortung trägt, da es um Leben und Tod gehen kann, der Arzt hat meist einen Zwölf-Stunden-Tag, Wochenenddienst und Weiterbildung zu absolvieren.
Warum publiziert die Zeitung nicht die Löhne der Toptreuhänder, Banker, Manager? Da geht es um noch mehr, noch höhere Gewinnmaximierung um jeden Preis bis zum Burn-out der Mitarbeiter und nicht um die Gesundheit des Gegenübers, die immer noch das höchste Gut ist und über dem schnöden Mammon stehen sollte.
Nur so zum Vergleich, der Credit-Suisse-Chef Brady Dougan verdient 51 Millionen, Daniel Vasella von Novartis bekam 33,4 Millionen. Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden.
Der Fussballer Lionel Messi verdient 65 Millionen Euro. Wer hat jetzt was wirklich verdient? Im Sinne von Ausbildung, Ethik, Menschlichkeit, Fachwissen, Verantwortung dem Mitmenschen gegenüber? Vielleicht ist dann diese Million Bilanzgewinn einer Ärzte-AG ziemlich relativ und könnte auch in einem anderen Licht gesehen werden, als es die Zeitung und deren Hintermänner beabsichtigten, natürlich rein spekulativ?


Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, man müsste lachen. Die KVG-Befürworter lassen nichts unversucht, dem Stimmvolk das neue KVG mit rosaroten Beruhigungspillen als den grossen Wurf zu verkaufen. Dazu bedient sie sich immer neuer, abenteuerlicher Argumente: Die Prämie sinkt um 315 Franken (Wer soll das bezahlen?). Die Mehrkosten sind «moderat» (fast schon zynisch bei 75 Prozent Aufschlag). Bei einer Herz-OP zahlt man selbst nur einen Prozent der Kosten (hoffentlich auch). Der Mittelstand profitiert angeblich von der Prämienverbilligung (ein Ehepaar mit 4400 Franken netto schon nicht mehr) und so weiter.
Bei chronisch kranken Menschen hört der Spass aber nun definitiv auf. Schon das jetzige Gesetz sagt klar, welche Voraussetzungen für eine Kostenbefreiung bei chronischen Krankheiten erfüllt sein müssen. Da ändert sich mit dem neuen KVG (leider) gar nichts. Neu ist aber der Versuch dem Stimmbürger vorzumachen, dass man bei einer «richtigen» Krankheit sowieso keine Mehrkosten habe. Eine Frechheit gegenüber jedem Betroffenen, der sich dadurch schnelle finanzielle Unterstützung von seiner Kasse erhofft. Stellvertretend ein paar Beispiele: Diabetes? Ist auf der Liste, aber nur bei bereits eingetretenen Organschäden. Parkinson? Auch auf der Liste, aber erst ab 30 Prozent Invalidität. Epilepsie? Ebenfalls erst ab 30 Prozent IV. Tumor? Erst bei Chemotherapie und Bestrahlung. Und so weiter.
Es ist an der Zeit, der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken. Der überwiegende Grossteil der kranken Menschen wird voll zur Kasse gebeten. Mit dem neuen KVG sparen wir keinen Franken! Es ist eine reine Umverteilungsmaschine von Oberschicht zu Mittelschicht, von gesund zu krank. Derweil saniert sich der Staat auf dem Buckel der Bürger weiter gesund.
«D’Axt ischt am Bomm!» Es liegt am Stimmvolk, dafür zu sorgen, dass das von den Grossparteien bereits im Koalitionsvertrag «gepäckelte» KVG-Debakel rechtzeitig verhindert wird. Darum ein klares «Nein»! Als Auftrag an die Politik, ein bürgernahes KVG zu erarbeiten.

Walter Noser für «FL21»,
Floraweg 17, Vaduz

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