Leserbrief

Auf dem Glatteis in den Papierkrieg gerutscht

Johann Ott,Untere Pradafant 5, Vaduz | 12. November 2015

Ausländische Renten

Herr Meesters, Ihre Ausführungen zur Versteuerung ausländischer Renten bedürfen einer Ergänzung. Sofern Sie eine Rente aus der gesetzlichen Rentenkasse der deutschen Rentenversicherung beziehen, müssen Sie diese Bezüge in Liechtenstein gar nicht mehr auf der Steuererklärung angeben, wohl aber müssen Sie dafür eine deutsche Steuererklärung ausfüllen. Und falls auch Ihre Gattin aus Deutschland eine solche Rente bezieht, muss auch sie diese Pflichtübung absolvieren. Wenn Sie nämlich Ihre Rentenanpassung zum 1. Juli 2015 auch auf der Rückseite lesen, wird bezüglich Versteuerung der Rente auf www.finanzamt- rente-im-ausland.de verwiesen und wenn Sie sich verbissen durch diesen amtschinesischen Urwald durchgekämpft haben, finden Sie eine Aufstellung aller Staaten, ordentlich alphabethisch geordnet von Armenien bis Vietnam, die mit Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen haben und deshalb von den deutschen Finanzämtern ihren Abschied feiern konnten. Liechtenstein ist nicht aufgeführt, obwohl unsere Zeitungen die längste Zeit über das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland geschrieben und gejubelt haben. Wenn Sie an das zuständige Finanzamt Neubrandenburg eine entsprechende Anfrage richten, erhalten Sie eine Antwort mit den beiden bedeutungsträchtigen Sätzen: «Gemäss dem DBA mit Liechtenstein hat aber Deutschland das Besteuerungsrecht an der gesetzlichen Sozialversicherungsrente der DRV. Demzufolge ist die Abgabe einer Steuererklärung Ihrerseits Pflicht in Deutschland.» Diese fürchterliche Nachricht drängt einen dazu, das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland durchzublättern. Tatsächlich lautet Artikel 17, Absatz 2: «Leistungen, die auf Grund der Sozialversicherungsgesetzgebung eines Vertragsstaates geleistet werden, nur in diesem Staat besteuert werden können.»
Wenn wir im guten Glauben auf das Doppelbesteuerungsabkommen die von dort bezogenen Renten in unserer liechtensteinischen Steuererklärung angeben, wäre es durchaus angemessen, dass unsere Steuerbehörde diese Beträge abzieht und uns darauf aufmerksam macht, sie nach Deutschland zu versteuern. Es wäre auch nicht zu viel verlangt und entspräche nur dem Verursacherprinzip, wenn uns unsere Steuerbehörde die fiskalischen Angaben für die deutsche Einreichung ausziehen und die betreffenden deutschen Formulare mitschicken würde. Mir stellen sich nämlich seit vergangenem Juli allein schon beim Gedanken an diesen Papierkrieg die Nackenhaare.

Johann Ott,
Untere Pradafant 5, Vaduz

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