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Leserbrief

Wo leben wir eigentlich?

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 7. November 2015

KVG-Referendum

Dem Ministerium für Gesellschaft liegen Informationen darüber vor, dass auch in Arztpraxen Unterschriften gesammelt wurden. «Damit wurde das geschützte Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient für ein durch Eigeninteressen motiviertes Anliegen missbraucht. Es sei aber ausdrücklich betont, dass bei Weitem nicht in allen Arztpraxen Unterschriften gesammelt wurden», schreibt das Ministerium weiter. (ikr)
Ich glaube, ich lese nicht richtig, unter einem Missbrauch des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient verstehe ich etwas anderes. Selbst wenn in einer Praxis Unterschriftenbogen auflagen, heisst dies gar nichts, nicht einmal, dass der Arzt für oder gegen das Referendum war. Es ist ein neutraler Akt, wenn da beispielsweise Unterschriftenbogen aufliegen, um für gerechte Tierhaltung zu unterschreiben, sagt auch dies nichts aus über die Meinung des Arztes dazu. Kommt es soweit, dass dem Einzelnen vorgeschrieben wird, wo Unterschriftenbogen für ein Referendum aufliegen dürfen? Werden unsere Freiheiten dermassen beschnitten? Langsam habe ich das Gefühl, es muss einfach alles herhalten, um Ärzte in irgendeiner Form zu diskreditieren. Im Grunde könnte man darüber lachen, wenn es nicht einen ernsten Hintergrund hätte und genau das Vertrauensverhältnis, das bei Weitem keines ist, zwischen Ministerium und Ärzteschaft widerspiegelt. Wo immer möglich werden Ärzte verunglimpft, ich möchte wissen, wie da noch eine konstruktive Zusammenarbeit möglich sein soll, die Regierung ist für das Volk da und nicht, um eigene Animositäten zu pflegen. Wie soll in so einem Klima eine Ärztekammer überhaupt noch konstruktiv arbeiten können? Um jedem spekulativen Gerücht zuvorzukommen: Ich bin weder verwandt noch verschwägert mit der Ärztekammer, noch ihr verlängerter Arm und schon gar nicht versteckt sich die Ärztekammer oder ihre Präsidentin hinter mir!
Es wundert auch nicht, wenn das Volk immer weniger von der Politik hält. Schade, denn Lebensqualität erlebt man nur in einem Land, wo Regierung und Volk bestmöglich am gleichen Strang ziehen und die Staatsführung auch demokratische Vorschläge des Volkes akzeptieren kann und vielleicht einmal von ihrem hohen Ross heruntersteigt.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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