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Leserbrief

Mea maxima culpa

Jo Schädler, Umiartsualivimut B 817,DK 3913 Tasiilaq/Angmagssalik,Grönland | 29. Oktober 2015

Klimadebatte

Das Bürgerforum mit dem reisserischen Thema «Unbequeme Wahrheiten zum Klima und zur Energie» enttäuschte auf der ganzen Linie. Der Vortrag war geprägt durch das Herunterspulen von sogenannten Fakten. Die einzige Wahrheit präzisierten die beiden Herren denn auch am Abend gleich selbst mit dem Fakt des täglichen Auf- und Untergehens der Sonne.
Während man dem ersten Teil, vorgetragen noch mit einer süffigen Logik, gerne folgte, war der zweite Teil gespickt mit fragwürdigen Tabellen und Halbwahrheiten, die natürlich niemand auf die Schnelle am Abend quer vergleichen resp. widerlegen konnte.
Die Voreingenommenheit war dann aber spätestens mit der Schnoddrigkeit ersichtlich, wie Herr Dipl. Ing. Limburg seine Halbwahrheiten vorgetragen und nicht wirklich Raum für Fragen gelassen hatte. Unterstützung erhielt er auch noch vom Vertreter des Veranstalters DU, Harry Quaderer, der kritische Meinungen gleich zu Beginn abgemurkst oder überfahren hat. Mit ungenauen oder ablenkenden Antworten wurden am Schluss noch einige Fragen abgehandelt, bevor die Vortragenden noch weiter einseitig ausführten und natürlich auch noch das Ende der Diskussion bestimmten.
Mich hätte interessiert, wie zum Beispiel Herr Limburg bei all seinen Kosten-Nutzen-Rechnungen die Schadstoffbelastung – verursacht durch Verbrennung mit deren Folgen und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt – in den vergangenen 100 Jahren eingerechnet hat (bestimmt nicht mit den subventionierten Ölpreisen) und wie er die Risiko-Kalkulierung sieht, auch in Euro pro KWh für das ungelöste Problem der nuklearen Abfälle inklusive aller Folgekosten für die Unfälle seit 1945 – zum Beispiel, um einige hier zu nennen, Los Alamos 1945, 1946 und 1958, Majak 1957, Sellafield 1957 und 1973, Harrisburg 1979, Tomsk-7, 1993, Tokaimura 1999, Tschernobyl 1982 und 1986, Fukushima 2011 plus zu Erwartende.
Am Ende war dann eben doch deutlich, was die beiden Herren vertraten: Vor allem die Interessen der konventionellen Energieversorgung und die Atom-Lobby.

Markus Sprenger,
Rheinau 16, Triesen

Mancher tut sich doch recht schwer, wenn es gilt zu beschreiben, was denn dieses C02, an dem sich die Staatskassen mästen, überhaupt sein soll. Einer sagte, dass er in Geometrie in der Schule kein Hirsch war und er sich lieber für Zahlen interessierte, er also da nicht mitreden könne. So entrichtet er halt nun auch seine C02-Abgaben und weiss eigentlich gar nicht, was er da zahlt. Hauptsache, die Erde wird gerettet.
Nun sass ich hier in Tasiilaq im Utiiili appalaartoq (rotes Haus) in einer Runde. Der Besitzer Roberto Peroni mit Jahrzehnten Erfahrung bis zum Nordpol und bei Grönlanddurchquerungen. Dann ein Schotte, von Beruf Tourenleiter, will hier seinem Sohn das Touren, Jagen und Fischen beibringen. Dann fünf junge Studenten aus Kanada, Schweden, Deutschland und Island. Diese sind hier, um die Gegend zu erkunden und über Land und Leute und den Klimawandel einen Bericht zu verfassen. Ich streute irgendwann in die Runde, dass es ja den von Menschen gemachten Klimawandel gar nicht geben würde. Daraufhin schauten die mich an, wie wenn ich behauptet hätte, die Erde wäre viereckig und innen hohl. Der Schotte, ein durchtrainiert kräftiger Bursche, erklärte, er wäre schon am Nordpol und am Südpol gewesen, hätte das Grönlandeis überschritten, hätte alle Gletscher und Eiswüsten am Himalaya, in den Anden und überall auf der Welt begangen. Er hätte auch gesehen, dass diese eine für das menschliche Verständnis kaum vorstellbare Mächtigkeit an Eis und Grösse hätten. An den Klimawandel glaube er überhaupt nicht. Peroni meinte, ihm wäre die letzten Jahrzehnte kaum aufgefallen, dass die Eismassen verschwinden. Im Gegenteil, die letzten Jahre würden diese eher wieder zunehmen. Den jungen Leuten jedoch gefielen solche Ansichten überhaupt nicht und sie verliessen genervt die Runde, denn sie waren ja gekommen, um eben diesen und die ertrinkenden Eisbären zu suchen und zu beschreiben. Tatsächlich ist die Eisbärpopulation so hoch wie noch nie.
Wenig Mühe haben Leute dieser Art, in die Flugzeuge und Hubschrauber zu steigen, die einsamsten Gegenden der Welt mit Kerosin zu verseuchen, nur um sich die einmalige Chance, welche das C02 bietet, die Erde zu retten, nicht entgehen zu lassen. Endlich kann man etwas tun, denn der Klimaschädling ist entlarvt und überführt. Nun kann er dingfest gemacht werden. Es ist schwierig und selbst bei Sigmund Freud kann keine befriedigende Erklärung für diese Massenenthirnung gefunden werden. Am ehesten findet man bei Konrad Lorenz Anhaltspunkte.


Jo Schädler, Umiartsualivimut B 817,
DK 3913 Tasiilaq/Angmagssalik,
Grönland

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