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Leserbrief

Was hat sich «FL21» überlegt? Einiges!

Heinz Vogt für die Gruppe «FL21» | 15. Oktober 2015

KVG-Referendum

Ich möchte nicht noch mehr Prämien zahlen. Ich nehme auch gerne eine höhere Kostenbeteiligung in Kauf. Mal stopp, ich bin ja Pensionistin, Selbstbehalt bleibt. Ich bin auch nicht chronisch krank, wäre auch kein Problem, weil ich weiterhin von der Kostenbeteiligung befreit bin.
Es freut mich aber, dass die «schwarzen Schafe» schnellstmöglichst zur Rechenschaft gezogen und ein Verfahren zeitlich verkürzt werden kann. Ausserdem frage ich mich: In welcher Branche gibt es Verträge ohne Kündigungsfrist? Fürchten sich die Ärzte, dass ihnen gekündigt wird? Wenn ja, warum?
Noch etwas freut mich, ich bekomme die Rechnungskopien. Da kann ich endlich einmal kontrollieren, was mir der Arzt verordnet hat und warum. Wenn es für mich nicht verständlich ist, kann ich ja den Arzt fragen. Das nenne ich Eigenverantwortung. Ich kann also zur Senkung der Kosten beisteuern. Schade, dass es in Liechtenstein keine funktionierende Beratungsstelle für Patienten gibt, die mir helfen könnte.
Was ich nicht nicht ganz verstanden habe, ist die Aussage der «FL21»: Ein neues Gesetz zu schaffen liegt nicht beim Volk, sondern bei der Regierung. Warum dann dieser Aufwand, wenn ich sowieso nichts zu sagen habe? Habe ich da was falsch verstanden?
Solidarität: Zugegeben, mein Nachkomme muss jetzt, wegen der Solidarität, mehr zahlen. Das hat doch aber auch den Vorteil, dass die Nachkommen kritischer werden. Das brauchen wir auch.
Ich bin solidarisch, ich helfe, wo ich kann. Warum soll ich denn auch mit den Ärzten solidarisch sein? Wenn ich meine Altersklasse anschaue, werde ich traurig. Ihr tägliches Thema ist ihre Krankheit. Gehen von einem Arzt zu anderen, schlucken Pillen ohne Ende und es geht ihnen immer noch schlecht oder schlechter. Was stimmt da nicht? Ich kenne auch andere Senioren, die sind fit, schlucken allerdings max. zwei Pillen am Tag. Also muss der Wurm irgendwo bei der Überarztung und Übermedikation liegen. Gerade Senioren haben Angst und sagen nichts, fragen nichts. Könnte es sein, dass sie vor lauter Angst ihre Unterschrift leisten werden?

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

Regierung und Landtag versuchen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, indem sie die Kostenbeteiligung der Versicherten im Krankheitsfall drastisch erhöhen. Im Gegenzug können die Versicherten ihre Prämie spürbar senken, wenn sie eine höhere als die minimale Franchise wählen.
Dieser Ansatz birgt eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Beteiligten. Es könnte nämlich sein, dass der Anreiz, sich für eine höhere Franchise zu entscheiden, gerade für finanziell nicht so rosig gebettete Einwohner hoch ist, weil sie damit Prämien sparen können. Im Fall einer Erkrankung stehen sie dann vor dem Problem, hohe Franchisekosten auszulösen, wenn sie Leistungen aus dem Gesundheitssystem beziehen. Die Gefahr liegt darin, dass sie versucht sein könnten, einen Arztbesuch hinauszuzögern, um sich diese für sie dann schmerzlich hohen Franchisekosten zu ersparen. Durch dieses Hinauszögern werden im ungünstigsten Fall Krankheiten verschleppt, die Behandlung erschwert und Leiden verschlimmert.
Die Ärztekammer ist gut beraten, falls dieses revidierte Krankenversicherungsgesetz in Kraft tritt, ein Monitoring einzurichten, um solche verschleppten Fälle zu erkennen und zu dokumentieren. Auf diese Weise kann wenigstens eine Fehlentwicklung frühzeitig erkannt werden und hat die Politik eine Chance, diese unerwünschten Effekte zu korrigieren.

Dr.med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

David Vogt fragt in seinem Leserbrief vom 13. Oktober, was sich «FL21» überlegt habe. Nicht viel, meint er. Hierzu einfach einige Auszüge aus Voten unserer Landtagsabgeordneten (1. Lesung KVG). Unsere Bedenken sind anscheinend nicht aus der Luft gegriffen.
Wendelin Lampert (FBP): Diese Reform wird der kranke Mittelstand bezahlen, und zwar bedeutet «der kranke Mittelstand» konkret: Er hat keine Prämienverbilligung, er ist eben krank und er wird es dann eben auch bezahlen.
Thomas Lageder (FL): Die Frage, wie viel Geld mit den vorgeschlagenen Gesetzesänderungen eingespart werden kann, wird im Rahmen dieser Vorlage nicht beantwortet werden können, schreibt die Regierung.
Eugen Nägele (FBP): Die Patienten werden plötzlich zu Konsumenten und das Gesundheitswesen mutiert zur Gesundheitsindustrie.
Peter Büchel (VU): Für mich ist dieses KVG-Reförmchen nur der Versuch, auf dem arithmetischen Feld die Kosten auf die Bezieher von Leistungen und auf die Leistungserbringer neu zu verteilen.
Karin Rüdisser-Quaderer (VU): Eine umfassende Reform sollte es werden, welche die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen nachhaltig eindämmen sollte. Prämienzahler und Leistungserbringer sollten gemeinsam ihren Anteil leisten, damit die Gesundheitsversorgung in Liechtenstein auch weiterhin bezahlbar bleibt – gerade für den Mittelstand. Dieser aber ist der eigentliche Verlierer dieser Vorlage. Für ihn ändert sich – abgesehen von weiter steigenden Prämien – praktisch nichts.
Thomas Rehak (DU): Was hier gemacht wird, kommt leider über Kosmetik nicht hinaus. Wenigstens wird mit dieser Vorlage versucht, von allen Beteiligten einen Beitrag einzufordern. Die Versicherten sollen mit einem höheren Selbstbehalt zu mehr Kostenbewusstsein erzogen und die Leistungserbringer durch begrenzte OKP-Verträge im Zaum gehalten werden.
So viel zur sozialen Ausgewogenheit und zum enormen Kosteneinsparungspotenzial dieser Reform, welche wir ablehnen und nun dem Volk das letzte Wort geben möchten. Wir sind überzeugt, dass eine Ablehnung dieser Reform kein Rückschritt wäre, sondern die Chance bieten würde, die zukünftige Ausgestaltung unseres Gesundheitswesens mit der Bevölkerung abzustimmen.
Eine schmerzliche Wahrheit ist wahrscheinlich besser als eine Lüge.

Heinz Vogt für die Gruppe «FL21»

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