Leserbrief

fl21.li

Sylvia Donau,Im Gapetsch 36, Schaan | 14. Oktober 2015

KVG-Referendum

Im neuen Krankenversicherungsgesetz haben Versicherte die Möglichkeit, eine sehr hohe Franchise zu wählen – also konkret jedes Jahr die ersten 4000 Franken ihrer Gesundheitskosten selbst zu bezahlen. Dadurch wird ihre Prämie in der Krankenversicherung spürbar reduziert. 80 Prozent der Versicherten können davon potenziell profitieren. Denn sie verursachen nur sehr geringe Kosten im System und gehen deshalb ein nur kleines finanzielles Risiko ein, wenn sie ihre Prämien optimieren.
Die Konsequenz daraus ist aber, dass der Anteil ihrer Prämie, den sie durch diese Entscheidung für eine höhere Franchise sparen, für die Deckung der Kosten jener 20 Prozent der Versicherten wegfällt, die wirklich schwer erkrankt sind und deshalb nicht darauf verzichten können, Leistungen aus dem Gesundheitssystem zu beziehen. Diese hohen Kosten müssen dann über die Prämien (und zusätzlich die ebenfalls erhöhte Grundfranchise) auf jene wenigen Versicherten aufgeteilt werden.
Was heisst das? Die potenziell Gesunden tragen weniger als bisher zur Deckung der gesamten Kosten im Gesundheitswesen bei. Dieser fehlende Anteil muss dann von den wenigen wirklich Kranken gestemmt werden. Die bisherige Solidarität zwischen Gesunden und Kranken wird ausgehebelt. Die Prämien sinken im Durchschnitt. Im Einzelnen aber fallen sie spürbar für die Gesunden und müssen in der Konsequenz für die Kranken vielleicht sogar steigen! Und dies zusätzlich zur bereits erhöhten Grundlast der Selbstbeteiligung an den Kosten.

Dr. med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

Ich habe mit Interesse dieses Referendum gelesen und natürlich befürwortet. Leider finde ich die Ausführung absolut falsch. Ich lebe seit 46 Jahren im Land, darf aber nicht mitstimmen. Sehr viele Menschen leben hier, ohne Liechtensteiner zu sein und das Stimmrecht zu haben. Aber bezahlen dürfen sie alles genauso wie die anderen. Bei einer solch wichtigen Angelegenheit, die ja alle betrifft, sollten auch alle mitmachen dürfen. Denn nur Pflichten zu haben, in diesem Fall brav zu bezahlen, aber keine Rechte, nämlich dagegen zu sein, das ist absolut ungerecht und kontraproduktiv. Für mich ist das in diesem konkreten Fall eine Diskriminierung, die ja auch ein Eigentor ist, da das Referendum viel weniger Stimmen bekommt.


Sylvia Donau,
Im Gapetsch 36, Schaan

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