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Leserbrief

Solidarität – In Liechtenstein ein strapazierter Begriff

Michael Sochin,Renkwiler 35, Eschen | 9. Oktober 2015

KVG-Revision

Im letzten Landtag wurde die dringend notwendige Revision des KVG verabschiedet. Eine Reform, die die Chance bietet, unsere Gesundheitskosten einigermassen in den Griff zu bekommen. Eine Gruppe Senioren will nun die beschlossene Reform zu Fall bringen. Es fehle ihr an Solidarität.
Die totale Mehrbelastung (Summe der Prämie, Franchise und Selbstbehalt) durch die KVG-Revision wird für Senioren pro Jahr im absolut schlechtesten Fall 235 Franken betragen. Bis zu Leistungen von 3000 Franken beträgt die Mehrbelastung pro Jahr sogar nur maximal 45 Franken. Wegen dieser Erhöhung gleich die ganze Reform zu Fall zu bringen, eine Reform, die mit grosser Wahrscheinlichkeit unsere jährlichen Krankenkassabeitragssteigerungen reduziert, ist unvernünftig. Vielleicht müssten sich die Initianten überlegen, welche Solidarität bei jungen Versicherten besteht, die Monat für Monat eine hohe Prämie bezahlen und über Jahre keine medizinischen Leistungen beanspruchen. Die Wahrheit ist doch, dass mit diesen Zahlungen die Kosten für uns Alte finanziert werden. Zumal nicht wenige von uns einer Überarztung nicht abgeneigt sind. Von führenden Persönlichkeiten des Seniorenbundes sollte man mehr Weisheit und Weitsicht erwarten können.
Die Krönung der Sinnverdrehung des Wortes Solidarität benutzt die Ärztekammer. Wenn Ärzte nur einen kleinen Bruchteil ihrer OKP-Abrechnung als Einkommen versteuern, weil sie sich in einer AG organisiert haben, um in der Summe Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen an AHV-Beiträgen einzusparen, kann das Wort mangelnde Solidaritat im Zusammenhang mit der KVG Reform nur noch als Hohn empfunden werden.
Ich empfehle, für Liechtenstein das Wort «Solidarität» als Unwort des Jahres 2015 zu nominieren.

Michael Sochin,
Renkwiler 35, Eschen

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