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Leserbrief

Hokuspokusfidibus: Was Minister und Zauberer gemeinsam haben!

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 8. Oktober 2015

Subventionen

Was wahre Zauberei ist, erklärt man wohl am besten anhand eines Beispiels. Diskutiert wird z. B. seit Längerem (immer wieder) die Frage, wer die Kosten für die Aufzucht und Hege der Jungen zu übernehmen habe, wenn sie denn erst einmal daheim eingezogen sind und die anfängliche Begeisterung der Direktbeteiligten einer realistischeren Betrachtung der Fakten gewichen ist. «Sollen eventuell die Erzeuger der Bälger verantwortlich sein, oder ist nicht vielmehr das Kollektiv der Steuerzahler in die Pflicht zu nehmen?», lautet die Problemstellung. Beispielsweise auch wenn es um die Finanzierung von Kita-Plätzen geht. Ersteres gilt in weiten Kreisen unserer sozialdemokratisierten Gesellschaften als neoliberales, haarsträubend unsoziales, vorsintflutlich altmodisches Ansinnen. Letzteres steht mittlerweile im Rang einer zwingenden Logik. So meint z. B. auch der Gesellschaftsminister: «Die Subventionierung der ausserhäuslichen Betreuungseinrichtungen dient nicht der Bevorzugung eines bestimmten Familienmodells, sondern ermöglicht in der Praxis für Frauen die Weiterführung oder Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit.» («Volksblatt», 6. Oktober 2015) Da wird der Herr Minister nun zum Zauberkünstler, neben dem Houdini wie ein Anfänger aussieht. Denn staatliche Subventionen sind ausnahmslos immer eine Bevorzugung derjenigen, die sie erhalten und ausnahmslos immer eine Benachteiligung derjenigen, die sie bezahlen. Den einen nimmt man, aus Gründen, für die sie nichts können, um anderen, die es nicht verdienen, zu geben. Immer ist es eine Ungleichbehandlung und damit ein Unrecht, wie z. B. auch Quoten. Daran ändert sich grundsätzlich auch dadurch nichts, dass die meisten von uns in dieses unsägliche Spiel verwickelt sind, hier zahlen und dort kassieren. Das ändert sich nur, wenn man Minister ist. Dann sagt man einfach: «Hokuspokusfidibus! Das ist nicht so!» Und schon ist es nicht so. Schon wird nicht mehr bevorzugt, sondern «ermöglicht»! Als Minister ist man eben nicht nur ein Meister der Illusionen, sondern auch ein Meister der Tatsachen.

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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