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Leserbrief

Was wir brauchen

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 3. Oktober 2015

Glaube

Im Oktober tagt in Rom die von Papst Franziskus kühn weltweit vorbereitete «Familien-Synode». Er wollte die Antworten auf brennende Probleme von den Eheleuten selbst kennen. Bischöfe, die ihren «Schafen» diese Fähigkeit nicht zutrauen, beantworteten die Fragen selbst.
Dabei wusste E. Kant schon vor über 200 Jahren, als Europa wegen der Aufklärung jubelte und zitterte: «Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.» Wir brauchen den Mut, selbstständig zu denken trotz Gefahr, Fehler zu machen. Natürlich müssen wir auch die Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Das meint wohl unser Papst, wenn er sagt, ihm sei «eine schmutzige Kirche lieber als eine in sich verliebte, weltfremde Kirche …». Er will, dass «die Hirten nach ihren Schafen riechen».
Ich denke da gern an Mütter, die ihre kleinen, rundum verschmierten Kinder lachend ins Bad stecken und frisch anziehen. Glaubenden bietet ein ehrliches Beichtgespräch ein solches Bad der Seele an.
Wichtig ist beim selbstständigen Denken und mutigen Reden auch das ehrliche Bewusstsein, dass ich mich irren kann. Das setzt kritische Haltung der eigenen Kritik gegenüber voraus. Kritisieren heisst nämlich unterscheiden. Es ist bequemer, nicht selbstständig zu denken, als Verantwortung für die eigenen Worte und Taten zu übernehmen; aber die Mit-Verantwortung für das Geschehen und dessen Folgen bleibt. Mit Haut und Haar «darf man sich nur Gott anvertrauen, nicht der Parteispitze, nicht einmal dem Papst», warnt uns Franziskus in seinem «Apostolischen Schreiben Freude des Evangeliums». Ungerechtigkeit kann in Familie, Politik und Wirtschaft ihre Siege nur feiern, wenn niemand wagt – wie Snovden – das eigene Wissen ans Licht zu bringen. Beten wir für Bischöfe und für uns alle um viel Mut und Geduld!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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