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Leserbrief

Ach wie nett?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 25. September 2015

Mobile Radarkästen

Unsere Landespolizei führte neulich die neunte schweizerische Polizeiradmeisterschaft in Ruggell durch. Für diese Veranstaltung mussten natürlich alle Bauamtsmitarbeiter in die Hosen steigen, in die Hände spucken und dafür sorgen, dass die Rennstrecke ordentlich beschildert, abgesperrt und abgesichert ist. Mit teuren Steuerfranken versteht sich. Da Heimvorteil bestand, gewann unsere Landespolizei lobenswerterweise diese Veranstaltung. Gut, gar fürstlich lässt sich damit leben, dass Liechtenstein dadurch in seinem Ansehen wieder einen kräftigen Sprung nach vorne machte. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage im Raume hängen, ob und woher die Trainingszeit, die bestimmt enorm sein musste, überhaupt stammt. Weiss man doch, dass die Mannen in Uniform samt und sonders überlastet und vom pickelharten Dienst an der Front ausgemergelt sind. Wurde der Siegesplatz hoch oben auf dem Podest nicht durch hartes Training erarbeitet, bleibt nur der Gedankenweg, dass bei unserem Freund und Helfer, wie diese Organisation gerne genannt wird, viele Naturtalente, die das siegreiche Strampeln beherrschen, vorrätig sein müssen.
Löblich allemal ist natürlich die Tatsache, dass unser ruhmreicher Polizeirennstall den stolzen Gewinn aus diesem Rennen in Form von drei Schecks, an den Behindertenverband, das Kriseninterventionsteam und den Rettungsdienst des roten Kreuzes spendete. Mein Nachbar, der auch ein guter Mensch ist und der seine kranke Mutter aufopfernd pflegt, und ich, der ihm immer gut zuredet und dafür sorgt, dass er nicht aufgibt, bekamen keinen roten Rappen davon. Und das in einem übersichtlichen Polizeistaat!
So gross diese Schecks auch sind, die da auf dem Zeitungspapier prangen – ich schätze einen halben mal einen Meter pro Stück – und wie generös die aufgemalten Beträge auch sein mögen, das Geber und Nehmergehabe der Landespolizei sieht im beschaulichen Alltag eher nüchtern, auf jeden Fall beklemmender und bedrohlicher aus. Diese 4000 Franken an Spendengeldern aus dem Polizeirennsäckel holen sich diese durchtrainierten Radrennfahrer in ein paar Stunden wieder hundertfach aus dem nächsten Radarkasten. Da liegt es doch nahe, dass je grösser die Spendierfreude der Landespolizei, desto hinterhältiger die Standorte der Blitzapparate sein könnten. Muss natürlich nicht sein – könnte aber. Und die logische Konsequenz daraus hat zu heissen, das viele Geld aus der Wegelagerei doch gleich und ohne Abzüge an gemeinnützige Organisationen abzutreten.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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